Gedichte

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1

hinter den sternen
das licht ausgraben
tierhaft
weich
schimmert die haut
im geäst
versengte stirn
holt sich aus träumen
das fell

2

die normalität des alltags sollte unterbrochen werden
ein mann der hunger hatte ass seine finger
künstler die bisher in schwarz gingen gehen jetzt in blau
oder gar nicht
kakerlaken ahnungslos
tummeln sich in schlünden höheren bewusstseins
spitzenhöschen
tragisch getragen
leuchten sisyphos

3

die blumen des bösen
das trunkene schiff
die zunge über dem messer
die weltraumküste
lyrik
die sich erbricht
aus einem pnukt
im strahl
wie ein haar
das die gegend
verprügelt
wenigstens
von der tür
bis ans fenster
auf der spur
des vergifteten pfeiles
curare oder peyotl
am strand
der die füsse frisst
falschzüngiger mond
wie der schlechte atem eines tieres
das unsere geduld verschwendet

fremdling

4

am
himmel
steht
die
dunkle
wolke
halbbewusst
bewusst

5

jenes spinnenlicht
das mich führt
als ob der wind mich trüge
als seien die wälder aus
seidenhaar
als hätte ich niemals gelogen
ohne mich umzusehen
mit diamantenem schritt
durch die marmorhallen
des vergessens
entlang der gebrochenen kante
des verstehens
der entfernten prallelen
in abendlicher schwermut
auf der schulter das kind
das dem erlkönig
winkt
Ahnung und distel
im spiegel über der stirn
das bettelgewand
zerschlissen
im scheitel das trugbild
gelöster fesseln
oliven
verleugnete herkunft
als sei ich der den sie suchten
so schreibe ich meinen namen
atme die ferne
und gehe
habe mich niemals entschuldigt
liess nur eine münze zurück
2 finger der hand
einen fussabdruck

6

es sprechen die schattenränder
von dingen
die schweigen
wie ich
vom schweigen
von sternen
von abendlicht
schweigen
wo seid ihr
ich höre nur falter
an scheiben trommeln
regengesichter
verwelkte gesten
alles gleicht sich
still
es kamen und gingen
die nächte
kreuzten den mond
die katze
die amsel
leuchtkäfer
sangen von dir
im geäst
das ende
ergoss sich in leere
wieder
und wieder
träume
verlassene speicher
fledermäuse
spuren im staub
plunder
ein kleines krokodil
schwimmt mir übers gesicht
schwarze balken und mond
zerstreute fetzen papier
spiesssrutenlaufen
fuchs und marder
alte regenschirme
greifen nach dir
namenloser vagabund
verlassen
geheime gestalt
verraten
nur fragen
waldmensch
ratte
und kind
ein kind
das trippelt und
fällt
alles dreht sich langsamer
in meiner hand
korallen von früher
die zeit steht still
stand schon immer
still
staub
der spuren enthält
oder verweht
asche aus ärmeln
beim gang
über die felder

7

götter wollt ihr ewig siegen
es dämmert bei den huren
an flachen stränden liegen
aufgebäumte uhren
ich lege spuren
in den sand der
krebse und lemuren
aus muscheln wehen träume
und verlassene hände

auf hohen bergen aber liegen mäntel
wie hüllen eurer letzten tage
ihr tragt sie wie ihr
fragen tragt
gewöhnliuch dumm und leer
und aus den morschen achseln
brechen haare
brandungszeichen
spottgelände
fetzen
ecken und terrassen
ins lallen dieser tage
gleiten die gestalten
sie gleiten lachend
in die fallen
denken
lieben
scheissen
hassen
liebe lieben
alltagsmärchen
monde umlenken
milchstrassen versenken
niveablonde leichen
keiner will sie haben
seltsam sagte die frau
ich liebe den mann
den ich nicht kenne
mit dem fischmehlgeruch
verschütteten samens
im nacken

liebe in der dimension
von
organen und verlust

und frauen fallen in gedanken
in leere räume zu gefallen
fallen in
gedanken
fallen

8

mich traf
die rose am zaun
sie löckte wider den stachel
zerbrach das gläserne herz
überall flatterten libellen gelb
es wehte ein blauer wind
eine stimme ging leise
am ufer entlang
seltsam war
des menschen schicksal
seltsam
der riss in der nacht
jemand schoss sich den neumond
durchs hirn
die zukunft
gleichmütiug
ohne zu zählen
spottete die liebe
ihrer beschreibung
rächte
das gebrochene versprechen
das verlassene lager
am morgen

9

gladiator
der nacht
nero lächelt
im grab
schlachtfeld von
haaren
wir ziehen die
lehre:
grosse füsse
halbes hirn
genitale
zeitrechnung
in 48
sprachen
toiletten
spülung
tutet
hell
beschleunigung meiner
gedanken

10

die verrichtung war eine
art lüge unter dem kinn
der mönch in der bibliothek
der zimmerrest
die trommel
unter den füssen
das umgestürzte regal
mord und totschlag
die fabelhafe idee
am elterngrab
der kinderschuh ohne adresse
langmütiger atem
geraubte ferse
ewiges lächeln
hinter dem vorhang
die überhörte stunde des schalfes
trinkgeld für meine absichten
der glücksbote lief mir
ins offene messer
als der sschlüssel abbrach
grüsste im hausflur
eine hüfte aus stahl
aus jeder pore trat ein spiegel
ich nannte mich den betreffenden
ich war es nicht
als ich steckenblieb
wurde auf mich geschossen

11

mama
papa
durchfall
karma

heißa

12

wenn
die
bruchbänder
tief fliegen
steht der
herbst
unserer
päpste
vor
der explosion
ihrer
blütenpracht

13

sie haben mein auge durchbohrt
tausend kerzen
hell
mit nasenschleim
da stimmt was nicht
ich bin gelassen
etwa?
nein
das schöngeistige
hat mich verlassen
auch das schöngeistige
geblieben ist
ich leb´ mit stubenfliegen
und insektiziden
wwr weiss
ob die verwandlung nicht doch
war
kafka sagte
nein
er hatte tbc
keime purzelten
aus seinem maul
kafka kafka
du kalter
affe
pardon
mir ist etwas
hinter den schrank gefallen
hinter welchen?
statt dessen
phosgen
mich friert
man wundert sich
ich spreche nur mit mir
wir werden es ja sehen
einstweilen
schaue ich aus dem fenster

14

nacht
gehäutete
gestalten
abwind
vewirrt
priester
verwirrt
das erhabene
das erhebende
verwirrt
gezogene folien
selbstvergessen
gefesseltes licht
das man im tanze verspeist
wie das ungepflügte feld
der erinnerung
lautlos
gehäutet und
aussortiert
wo die seidenraupe
die welt ihrer fäden
bewacht
sandworte
wanderdünen
aus muscheln
verwehtes haar
schritt für schritt
von der brandung
erfasst
transformiert
eines tages ans ufer
zurückgeworfene steine
aus träumen
auf die falschen felsen
in die stille hölle der
blonden berge
elender witzbold aus
verdünnter luft und
selbstgesprächen

15

mit genügt der glast
die klare pisse
wenn fieberhaare kreisen
ausgerissene gefühlte
wie haufen
toter elfenbeine

wenn man sie über kanten zieht
verschwebte leiber
im widerschein
verrückter stühle

16

das bewusstsein
ist der klebstoff
des seins

17

meine wahrheit
ist das kalte gefühl
des einhorns
auf der spur der verlorenen gestalt
der in seide gehüllten unbekannten
der abtrünnigen geliebten
im häusermeer der schwarzen stadt
unter dem ewig dämmrigen himmel
der mich lähmt
wie irisierender schimmel
in der randzone
zerfallender früchte
aus umgestürzten müllgefäßen
die ich durchwühle
nach resten von
herrschaftsgerichten
um mich zu nähren
im fadenkreuz von
kainsschuld
und
abelversessener
hoffnung
videobehauptung
geborgte weite
trockenes natriumlicht
heligsprechung von
cadmium
leere
und
verfall
assoziationen einer
gefrorenen zunge
wie das bild des entfesselten berges
der durch die wüste treibt
als schatten
vergeblicher poeme
die nichts mehr berühren
selbstverschlungen
gordischer knoten
reflektionen
eines hirnes
das irrt
saumselig
tänzelnd
zögernd
zaudernd
steigend
fallend
im widerschein
erloschener sonnen
auf allzu geschliffener
haut
provozierter thymus
durchtrenntes corpus pineale
unter dem obszönen finger
der auf mein herz deutet
dort
wo ich gepanzert bin
oder mich entziehe
scheinbar gleichgültig
von denen
die ich verschüttet nenne
bis die erninnerug verdunstet
vergebens
denn sie kehrt wider
als dunkle wolke
die am fenster lauert
oder hereindrängt
um mich zu ersticken
bis ich um mich schlage
und nach ihr werfe
mit dem
was ich bin
was ich habe
was geblieben ist
auf der flucht in die sprache
die womöglich die liebe bekämpft
die mich im auge behält
bis sie sich endlich davonmacht
mich zurück lässt
auf der schwelle des
zweischneidigen palastes
gleichzeitig wächter und
vorgelassener
der eine mit der lanze
der andere mit dem windgesucht
in der erstarrten pose einer tiefen
verbeugung
vor dem unsichtbaren herrscher
und seiner durchsichtig verschleierten
tochter
die ich bereits erwähnte
verlorener faden im damast
damaszenerklinge
singender stahl
jenseits von psychologie
und beziehungswahn
das geheimnis des schwarzen pulvers
des kriegsgetönte warten
an der pforte des paradieses
eines universums
das vielleicht schon schrumpft
tag und nacht
diesseits und jenseits
unter allen stadien des mondes
den morgenstern anrufend
den vater der milchstrasse
die milchhaut
den raum
wo die schalmeien erklingen
andeutungen warmem
lichtes
eines gütigen auges
einer hand
die uns retten könnte
dich und mich
wie es in den büchern steht
buddha
bibel
mohammed
zarathustra
religionen
die uns in den canyon stürzten
vor die füsse von kirchenvätern
die den strom umleiteten
und uns ausraubten

sterben sollst du rebell
wie das teeblatt in der schale des samurai
atlantis in der stille rufend
einhorn
im steinmeer
verirrt

18

wie ein vogel kam sie geflogen
bei nacht
zwischen kaffee und buddha
trat sie in meine höhle
und sagte
komm mit
ich aber erklärte mich ihr als verloren
gab ihr ein streichholz mit auf den weg
als ich das fenster öffnete
und ihr nachsann
durch die alte nacht
während draussen die maschinen
ihr werk begannen
kein vogel im steinmeer
nur sie
und ich
die junge blume
und der alte baum
ich zählte die schritte im raum
langsam tropfte harz aus meiner rinde
während sie flog und flog
ich folgte der spur des unbekannten inneren
mein weg war der stein
ihrer ein flügelschlag
über den feldern

19

meine worte sind aufgehoben
im nichts
in unseren umarmungen
schreiben wir uns texte
auf die körper
normalprogramme

figuren laufen kreuz und quer
durchs bild
überall bin ich zu sehen
wie ich texte rezitiere

ich denke: schwarzer hund
mit weissem styropor im maul
will rückwärtslesen

20

das gift deiner lippen
als du mich küsstest
die einsamkeit in mir
zerbrachst
wie amethyst

ich gab es
meinem kind

21

zierlich singen schlangen
die ich in den achseln trage
ein gespinst aus melodien

wo ich durch die betten schwimme
starren aale
überall verfolgt mich der geruch
verbrannter haare

die ruinen unserer städte
brechen in die strassen
die uns einst in nahe paradiese
führten

imbißstuben bleiben als symbole
nur erhalten
wo auf frisch gepökelten servietten
monogramme über kindergräber wehen

tiergebisse
sprechen fremde sprachen
in den stehbierhallen
schlünden dieser tage
tritt der eiter aus in strömen

über die zerrissene wölbung
ehemals junger lippen
geht ein rasen

22

munddurchlassen
lichtdurchlassen
vier wilde tiere
am quai
damokles
und
wolkenkratzer

die tiefe trennung
verschiedenartiger
felle

der ritt auf dem
klavierschoner

eitel
lockiges haar

verschleimt
war das sinnbild
des nichts
der blutandrang
zum allzu geplagten
gehirn

23

nachts
in entehrten schluchten
am lager
wo das morgenauge ruft
die dämmerung
der erste vogelschrei
die samenluft
das tuch
das dich bedeckt
arme und beine
in spiralen
der rumpf
glasverlassen
von hirtenblut bedroht
in silberschwärmen
unerkannt
die stirn erhoben
in diese zeit
der grauen wangen
still und
ohne gebet
das blei in der leiste
vergossen

24

alles verschwimmt
in der dämmerung licht
ich setze die segel
der nacht

schiffe aus blei
liegen schwer vor dem wind
in der dämmerung licht
wo alles zerbricht
und gerinnt

und ein schiff aus blei
versinkt in der nacht
und früh um halbacht
da bricht sich das licht
in der früh um halbacht
erwacht in der dämmerung licht
erblindet das kind
und spricht

es erbricht sich und spricht

ich liebe die nacht
die bleiern und sacht
mich zerbricht
und das schiff
es liegt trotz der segel
so still im wind

und ich WILL

und es spricht´s und verstirbt
dieses kind einer nacht
die so seltsam gelacht

25

wohin verflog das glück der
frühen kinderstunden
warum nur zieht das mondverliebte huhn
nach afrika
und brät sich dort ein spiegelei
ich frage euch
warum?

am fussend vieler betten
pfeifen jetzt koyoten
und langsam dringt der nebel durch die tür
manch keusches laken wird schon schwarz
vor ungeziefer
an allerseelen aber legt ihr lilien
auf die frischen
toten

26

damals
in der anstalt
schob ich die welt
im kreise herum
im kinderwagen durchs
halluzinatorium
picassos mutterkuchen
im schritt
und
lachte
der langen beine von
schwester blumenbeet
wie dunkles licht
aus der trichterbrust
alter tiere

mein blick entblösste
die anmut ihres gestühls
den flackernden schrein
der trachome

die schamschwelle blieb
inoperabel
inoperabel
die trichterbrust
voller schlangen
und flavine
der flug mit
stoned airlines
gebar mir eine neue welt

sichtbarmachung
leuchtender gesinde
wie intensionaten
aus lapsi
und latsuli
die erde war ziemlich bunt
meine erste nebenhodenentzündung
grün
damals mit der lolitamacke
ich ein schmetterling

sie schloss die augen
kämmte ihr haar
es wurde langsam nacht
wir hörten das jaulen den hunde

später dann
in bacchus kleiner hütte
sah ich junge frauen nach
kamille dürsten
leguane
grüssten höflich
im vorübergehen
ihre brüste
wie staatsembleme ferner
galaxien
der letzte soziologe aber
starb im kainsbett meiner mama
damals
an des wahnsinns weisser küste
im süden der gespinste

nur heiner müller
ortsfremd
herr der müllgebirge
kannte seinen namen
das schwarze tier hiess
tristan triste
ich war es selbst
als letzter spezialist für
ketchup und
gefühle
im kainsbett meiner
schönen mama
damals
der die kalten lippen
küsste
an des wahnsinns
weissen brüsten

27

ausgefugte worte
wie satz in meiner tasse
verschüttete gedanken
verbrannte flügel
der hoffung
hinter der maske
das lid
zerbrochen
dunkel durchbohrtes
gehör
an der äusersten grenze
des kehlkopfes
vergeblicher
obsessionen
gelöscht
und dumpf
mondlos
mundlos
fiebernd
den blutpunkt beobachtend
den schwellenden tropfen
besänftigend

28

schmerzen
die mich zerreissen
jubelschmerzen
trauerschmerzen
wie pfeile aus blei
wie tage
die sich verkarsten
unter papier und asche
die sich in meine adern schleichen
scheren die mein hirn zerschneiden
kristalleuchter die mich entsetzen
wachs das über mich fliegt
asche tabak papier und wieder papier
ausgetretene schuhe
kaltes lampenlicht
mich nur noch kriechend durch räume bewegend
wie ewiges leben in käfigen
wo die worte versagen
sich alles in leere ergiesst
glasluft
absonderlich
rufend
satz am boden meiner tage
wo selbst das ende sich verweigert
nicht tag
noch nacht
nur dämmerung
den kopf an der wand zerschlagen
ohne den schrei in der kehle wiederzufinden
aus angst vor den häschern
die mich in einen kerker werfen könnten
den kerker der hilfreichen bestien
der gnadenlosen geister des mitleids
einer heilung
die doch nichts wäre
als die tötung eines schon 10x gestorbenen
in einer welt ohne hinterhöfe
wo der winter eine spinne ist
die sich nicht mehr aus ihrem netz bewegt

29

die himbeerzunge
meines beichtvaters
verschärfter sprachraum
fliegenpilz
im kinderbett
der blauen schwüre
peterchens mondfahrt
wie damals:

holozäne gehirne
träumten
vor fernen gestaden

die eiserne faust
nähte menschenhaut
über lampnenschirme

ich entlöste
den vaginalen kranz
der roten soutane
meiner bewacher
entlang der gefälschten küste
des verstandes
überreichte dem kommandanten
einen strauss blutblumen
aus dem knochenbeet
die nadel darin
die hin stechen sollte
das gift der goldenen schwalbe
im sinn

30

gesichtsspieler
der unter alten bäumen wandelt
am narrenseil
leere gebärden steigen lässt
zu den vergitterten fenstern hinauf
wo namenlose büder
sich fingerstümpfe in die augen bohren
kalte träume
unter schädeldecken sich versammeln
mit weissen engeln
die quadrille tanzen
bizarre speichelbilder
an den scheiben kleben
die angst
von hand zu hand gereicht
mit bunten pillen
die aborte
sprengelt

dort
in die dunklen alleen
will ich meine locken schneiden
bereitwillig
ohne zu murren
verbeugungen austeilen
an vorübergleitende bärte
und pelze
am tag der offenen tür
wenn die zungen schnalzen
das wird dann über die nacht gelegt
von welcher seite auch der mond
das eisenbett bescheine
den erbrochenen koffer
am fusende
im milchlicht
das den schlaf beschattet
damit ich nicht ins fleisch mir schneide
oder gar mit seilen spiele
versehentlich

nur das kastanienlaub
aus dem garten der anstalt
wehrt durch die strassen der stadt
verschlüsselte botschaft
des SELTSAMEN
in obhut befindlichen
FRAGSAUGERS

wasserantworten
kommen zurück
nichts als
wasserantworten
untiefen

31

unterhalb
der
fläche
wo wir
schweben
wo
horizonte
landschaften
gebären
hinter der
netzhaut
wo die schrift
zerfliesst
wie
schattengewächse
im schein
geborgter
fackeln
in der stille
der herrenlosen
gedanken
im gefieder
der totenvögel
wo wir leben

32

wenn du silbern lachst
unter den flügeln
des nachtfalters
der in der lampe brennt
wie weihrauch
am himmel
verwehte spuren
wüsten
im sand
wo du wandelst
zwischen grabhügeln
alter fürsten
über die salzseen
deiner gesteinigten
lieben
wo die karwanen
der tagträumer
oasen zinken
unter dattelpalmen
die schwalbe in der hand
verbirgst
die im winde flatterte
als du das zelt betratst

nomadengedanken

33

unter den leintüchern
zog ich die uhr auf
rührte den körper
in das gekräuselte
tick tack
mein rückgrat schimmerte
blass
das tuch wurde starr und
kalt
es knarrte im bauch
das war meine zeit
musik der gedärme
humus meiner langeweile
ekel vor der welt
der existenz
eurer gedanken

34

es war der nämliche tag
die verzauberte stunde
in den basaren des schweigens
als unser held
der hirnverbrannten sagen
über einen bürstenmacher
stolperte
der ihn verfluchte
die luftmühlen klapperten
eselsmilch
gestreckter galopp
ebbe gebar flut
flut gebar ebbe
das war der moment
an der gefälschten küste
als die göttergestalt zerfiel
meniskusschaden der kultur
wade oder ferse
gefächerte marmelade
exkommunikation einer schwarzen
wanderniere
salbei
petersilie
frischer zimt
tote fliegen flogen umher
pfefferminze und
geselchtes
zitronenstimmen sangen rot
begegnungen verkamen
gedankenlose literaten
stiessen an sterne
von ihrer stirn troff
hyazinthenblut

der dichter
sass unauffällig im lotus
splitterte den lauch
knapp hinterm ohr verschlief er die
wintersonnenwende
er überhörte manches lachen
aus seinem verschmierten maul flogen
turteltauben
alte milchzähne
blauschimmel

35

wir dachten
wir ständen
und standen
tatsächlich
mit händen
voll eiter
an stränden
und dachten
aus muscheln
wehten
die wörter
die brandung
ebbe
mutiertes
gelände
wir
lachten

36

ahnungslos
leben die leute
während die blume
hervorbricht
die verdorrte
die mundblume
die gleichzeitig
stirbt

fast möchte man hoffen
es gäbe einen gott
sich ihm anzuvertrauen
in ein anderes
das vielleicht noch grausamer
unter den locken brütet
blond

37

blautau
menschenfern
roter holunder
regenwolken
sonnengeflimmer
hier und da eine
grasmück
im hochzeitsflug
gelber zinnober
weizen und
hohn

38

das gift deiner lippen
als du mich küsstest
die einsamkeit in mir
zerbrachst
wie amethyst

ich gab es
meinem kind

39

das gewebe des tages
verleugnetes licht
unter dem hygienischen netz
des wahns
der kleine silberne fleck
der schicksalsglocke
wenn der winterhimmel
die sedimente des unglücks
aussiebt
die wortbänder es leid sind
draperien meiner erinnerung
zu sein
ein gletscher
im schosse des nordmeeres
meinen kosenamen
kalbt
ich den tempel umstosse
meinen körper
verkaufe
mich einschliesse in
einsame lust
haar für haar
saures blut
beute meiner imagination
mich nicht mehr entsinnend
nur schwer
am ausgangspunkt
der nacht
wenn die wunde
sich öffnet

40

die schlaflosigkeit
ist die
mutter
der
theresia

41

turm der hände
turm der schlüssel
turm der geschändeten
tiere
turm der spiegel
nachbarn sind verflucht zu fluchen
lauter kleine köpfe marschieren
wenn die blutlache lacht
im theater
wo die schauspieler
zusammen
brechen

42

vor der r.leuchtung
kommt die b.leuchtung

43

die am schwierigsten
zu erlangende
klarheit
ist die
klarheit
über die eigene
unklarheit

licht

kalter denker

licht aus

abbruch des
lesevorganges

44

die wörter in der schneideschiene
das rohr ergiesst den wasserlauf
tief im brunnen der froschkönig
wie üblich
die hexe vor dem doppelspiegel
in der falltür
an der wand
das bildnis des fürsten
die überlangen katzenkrallen
das auge der jungfrau
lief aus
der prinz nahm sie
gleichwohl
prima
sagten die 7 zwerge
am jüngsten tag kommt das gericht
sei´s auch nur als fliegender hund
am abendhimmel

45

wenn meine träume auch nicht wahr sind
mein leben ein scheitern
über´s waschbrett gezogen
verschludere ich den tag
warte auf die prinzessin
ich schenk´ ihr einen backenhzahn
der ist hohl
gestern war´s
ich bin luft

46

der stein rollt
la pierre qui roule
die flügel der frau
ihr auge
ihr mund
der mann in der nacht
gedächtnis
fleisch und
fluch
kaum ein gesicht
nirgends ein grund
helium und sprache
wilde haut
wilder mund
nebel
und
kind
einenhand hält die wand
die andere die zeit
weitwurf und
sturzflug

47

es ist wieder krieg
die kirche
tag und nacht
zum segnen bereit

48

ich bewohne ein grab
versteckt unter büschen
da seh ich oft witwen
in tüll und in rüschen
witwen behängt mit perlen
und ringen
die graziös
über frische gräber
springen

ich schleiche mich an
wenn sie leise weinen
am liebsten an solche
mit nackten beinen
und helfe auch gerne
beim beten und büssen
um danach ihre
witwenlippen zu küssen

bei denen mit zierlich
durchbrochenen blusen
greif ich auch schon mal
sacht an den busen
doch am liebsten schweif ich
allein durch die wälder
und sammle schnecken
in einen behälter

49

NEGO
LEERLAST
SCHMERZKLAR
QUÄLEN

50

der aufgerissene bauch
die därme liegen im kühlschrank
unter einem violetten himmel
verteile ich die fetzen meiner haut
schütte die töne einer symphonie
in den ausguss
hacke mir hände und füsse ab
verwerfe wiese und baum
an der grenze des verstandes
gefolterter traum
zerriebene leidenschaft
aus der hoffnung gebrochener
vokal

51

in entehrten schluchten
die schläfen entblösst
am lager
wo das morgenauge ruft
die dämmerung
der erste vogelschrei
die samenluft
das tuch
das dich bedeckt
arme und beine
in spiralen
der rumpf
glasverlassen
von hirtenblut bedroht
in silberschwärmen
unerkannt
die stirn erhoben
in diese zeit
der grauen wangen
still und
ohne gebet
das blei in der leiste
vergossen

52

unter der südlichen sonne
des labyrinths
meiner gedanken
umgestürzte
müllgefässe
wer schalgen kann
der schlägt
wir töten die
die wir
lieben

 

Das Gelbprinzip

Gelb. Alles ist Gelb. Der Ton Gelb. Das Geräusch Gelb. Alles ist Gelb, wird Gelb. Fragen Gelb. Die Zeit Gelb. Der Atem stockt Gelb. Der Pulsschlag stockt. Das Wasser fliesst in die Berge zurück, zögert stockt. Gelbes Getuschel. Nirgends ein Schrei. Abwarten Gelb. Ahnungen auf silbernen Tabletts von Zunge zu Zunge. Gelbes Misstrauen schwarz. Die Ordnung stockt.
Schwarze Ordnung Gelb. Der Schrei nach innen. The Wall.  Gelber Fortschritt weltraumgelb. Das Gute Gelb. Gelber Tod schwarz. Schwarz erstickter Schrei. Erstickt warten Gelb auf neue Ordnung, auswegslos, stumm. Ohne eine Spur zu hinterlassen an der Schneegrenze entlang, am Rande der Wirklichkeit. Die Spinnen atmen aus. Überall rote Punkte wie von endlosen Umarmungen von Echsen und Lurchen. Gelbe Liebe gefriert.
Das Getreide ist gemäht, eingeholt. Wenn die Angst die Entschlossenheit übertrifft als werde in der Anpassung an das Negative das Negative besiegt. Erde spüren. Schneeluft. Samenluft. Lästerung. Die Todeshülle des alles verderbenden Staates, der selbst das Sterben in Zyklen organisiert. Verwehungen. Unter Strommasten totgevögelte Zeit. Die Zeit verweht Gelb im alten Heu des Jahres 86. Schrei ohne Leidenschaft. Alles ist Imitation. Der Name des Deos als letzte Glücksbotschaft. Die Tiere an der Schmerzgrenze. Das schmerzt wie die grenzenlose Vertrautheit zwischen Mann und Frau. Dieser süsse Schmerz, süsse Geruch, der die Arme lähmt, die Nacht, den Tag. Wo zerwühlte Kissen Anlass sind für vermehrte Kontrollen durch Gelbkreuzbeamte.
Der Landmann mit der Säge aber sägt und sägt und sägt und sägt. Hinter den Bergen leuchtet blaues Neonlicht. Der Präsident massiert sich die Vorsteherdrüse. Die Massen applaudieren in die Kondome. Nur das Schwert, das die Wunde schlug, kann sie auch heilen. Gelbe Latenzen machen sich breit, fressen sich in das allgemeine Bewusstsein – was immer das sei: Das Allgemeine, das Bewusstsein. Etwa der babylonische Tod, der assyrische, der ägyptische Tod? Noch immer schweigen sie. Nirgends hört man einen Schrei. Gefolterte Nerven geben gelbe Ruhe. Noch nie war ein Krieg zu anarchisch oder zu teuer. Todgeweihte sind angeblich kaum zu dressieren. Doch die Latenz des Todes steht im umgekehrten Verhältnis zur Geschwindigkeit der Fortbewegungsmittel. Laser.
Die angeblich neue Situation ist nichts als die Entsprechung einer anderen, längst vorhandenen Wirklichkeit: Der Gesang der zerfallenden Berge, die schwarze Sickerung der Ekzeme. Da helfen weder grüne Meerkatzen noch Kopfstände. Als sei nicht jede Krankheit auch Erschöpfung – warum nicht auch der Wissenschaften? Unzeitgemässe ketzerische Gedanken machen sich breit. Man spricht von Peitsche und Sense, hört den schneidenden Knall, ahnt die Anarchie, die in ihrer negativen Form längst in uns wütet in Form eines anderen Zusammenbruchs. Der Schadenfreude ist keine Grenze gesetzt. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen die, die ohnehin nie etwas zu verlieren hatten und lachen. Und hinter ihnen grinst die mythologische Fratze. Der Fortschritt gibt die Apokalypse ab. Wir dürfen jetzt nachdenken oder glauben oder jammern – oder alles zusammen. Der neue Tod, der ein alter Tod ist, so alt wie eben der Tod, nimmt uns die Sense aus der Hand und schüttelt sich das Kleid. Wir sind zu banal, zu gut gewesen. Der afrikanische Gleichgültigkeitstod war zu satt oder zu matt. Im Untergang bekommen wir die Unschuld zurück, treten ins Glied.
Vernehmt die Botschaft. Hört auf den Gesang der Vulkane. Strich für Strich geht der Landmann über das Feld und mäht. Man nannte ihn einst den Gevatter. Wenn Ihr sein Lachen hört wisst Ihr bescheid. In Euch lauert ein Schrei.
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