Lässt sich das Gehirn von Peter Sloterdijk gentechnisch verbessern? Eine Reflektion über Anthropotechnik

 

             Lässt sich das Gehirn von Peter Sloterdijk gentechnisch verbessern?

                                     Eine Reflektion über Anthropotechnik

                                                            von

                                                  Dr. Joerg Janzer

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                                                   Vorwort:

Anlass für den nachstehenden Essay war die Lektüre des Buches Du musst Dein Leben ändern – Über Anthropotechnik von Peter Sloterdijk aus 2009.

Anthropotechnik heisst auf Englisch Human Engineering. Es geht in dieser Wissenschaft um die Optimierung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine – im weitesten Sinne zwischen Geist und Materie.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Du musst Dein Leben ändern hatte ich mich bereits seit über 10 Jahren mit diesem Thema beschäftigt  und las insofern Sloterdijk´s Werk nicht nur mit höchstem Interesse, sondern auch mit äusserst kritischem Blick – das Ergebnis war dem entsprechend: Ich kam zu dem Schluss, dass gewisse gentechnische Verbesserungen an Sloterdijk´s Gehirn diesem keinesfalls würden schaden können.

Nachdem ich 2009 mit der Niederschrift meines Essays begonnen hatte, musste ich sehr bald feststellen, dass immer wenn ich den Text für abgeschlossen hielt, neue wissenschaftliche Erkenntnisse mich zwangen, meine anthropotechnischen Hypothesen zu überdenken oder zu erweitern. Insofern war mein Text von Anfang an ein „work in progress“ und sollte auch als solches gelesen werden. Weitere Essays zu den z.T. nur erst angerissenen Themen werden folgen und in der Summe ein Buch ergeben, dessen Arbeitstitel lautet: Falsch denken tut nicht Weh.

Exposé

Nachstehender Brief-Essay hat 2 thematische Hauptstränge. Zum einen die kritische Auseinandersetzung mit der 2009 bei Suhrkamp erschienen Schrift „Du musst dein Leben ändern: Über Anthropotechnik“ des Philosophen und Publizisten Peter Sloterdijk – und zum anderen der Versuch, dessen 700-seitigen Werk eine eigene, sowohl kulturgeschichtlich wie auch naturwissenschaftlich begründete, anthropotechnische Hypothese gegenüber zu stellen, deren zentrale Aussage beinhaltet, dass – im Lichte neuester epigentischer Forschung – Homo Sapiens, d.h. jeder einzelne Mensch durchaus in der Lage ist, selbsttätig in seinen Gen-Apparat einzugreifen, d.h. als Anthropotechniker in eigner Sache aktiv zu werden.

Die Epigenetik ist ein relativ junges Wissensgebiet. Der Begriff wird dem Biologen Conrad H. Waddington zugeschrieben und wurde von diesem im Jahre 1942 definiert als “the branch of biology which studies the causual interactions between genes and their products which bring the phenotype into being”. Neueste Forschungen auf diesem Gebiet haben gezeigt, dass über die Nahrung, die wir uns zuführen, wir auf intrazellulär gelegene sog. epigenetische Schalter einwirken und über diesen Mechanismus die Aktivität bestimmter Abschnitte unseres Genoms beeinflussen können.

Basierend auf diesen Erkenntnissen soll – ausgehend von einer Kulturgeschichte der Ernährung und deren ethischen Implikationen – der Negentropie-Begriff des Physikers Erwin Schrödinger erläutert werden sowie eine daraus ableitbare Hypothese für eine effektive Alzheimer-Prophylaxe. Damit dies schlüssig gelingt, bedarf es allerdings einer Ergänzung des Schödingerschen Negentropie-Gesetzes durch ein bisher übersehenes Biologisches Prinzip, das nachfolgend als ÄHNLICHKEITS-VERDIKT bezeichnet wird.

Die erste Niederschrift des vorliegenden Essays stammt aus 2009 und diente zunächst allein dem Zweck, in Form eines offenen Briefes die, wie der Verfasser dieser Zeilen meint, fragwürdigen argumentativen Strategien des selbsternannten philosophischen “Meisterdenkers” Sloterdijk aus der Sicht eines wissenschaftlich ausgebildeten Neuro-Psychiaters ebenso provokant wie ironisch zu hinterfragen. Da dieser Brief angesichts eigener Selbstzweifel jedoch nicht rechtzeitig abgeschickt wurde, entwickelte sich das Thema Anthropotechnik in der Folgezeit wie ein Selbstläufer mit dem Ergebnis, dass Sloterdijk nach und nach aus dem Blickfeld geriet und somit bezüglich des Themas “Alzheimer-Prophylaxe” am Ende nur noch als Störfaktor übrig blieb. Es ist allein der Bequemlichkeit des Autors geschuldet, das Thema Alzheimer nicht vollkommen neu aufgerollt zu haben unter Verzicht auf  jedweden Hinweis in Richtung Sloterdijks Machwerk. Ungeduldige Leser sollen sich also nicht wundern, dass das Thema Negentropie/Ernährung/Epigentik/Alzheimer nicht vor Seite 10 auftaucht. Damit soll allerdings nicht gesagt werden, dass die hier vorliegende kritische Auseinandersetzung mit Sloterdijks anthropotechnischen Gedanken nicht auch lesenswert sei. Wer provokante Texte liebt ist hier an der richtigen Stelle.

Die fettgedruckten Begriffe sind Zitate aus Du musst Dein Leben ändern – Über Anthropotechnik. Man muss dieses Buch nicht unbedingt gelesen haben, um zu verstehen, worum es dabei geht.

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Sehr geehrter Peter Sloterdijk,

Seit der Veröffentlichung Ihrer Schrift Regeln für den Menschenpark (Sonderdruck Edition Suhrkamp, 1999) verfolge ich mit grossem Interesse Ihre Ein- und Auslassungen zu so etwas wie Anthropotechnik. Wenn ich ihr neues Werk „Du musst dein Leben ändern“ richtig verstanden habe, sagen Sie, dass es – in einer Welt ohne Gott – Homo Sapiens anheim gestellt sei, die für ihn unabdingbare Vertikalspannung  (Der Ausdruck steht laut Sloterdijk für „das Gegenteil der intellektuellen Entspannung in der Horizontalen des Unernstes und einer pandemischen Trivialisierung, des Behagens in der Kultur an deren substantiellem Nullpunkt”) aus sich selbst zu generieren, vorzugsweise qua Askese, d.h. eine übende Lebenshaltung, um dergestalt für den über ihm schwebenden Attraktor (Attraktoren gelten als Richtgrössen, an denen Menschen sich orientieren können) sensibel zu werden. Anders ausgedrückt: Sie verpflichten Ihre Leser darauf, aus offenbar „höherwertigen“ Erwägungen einschneidende Verzichte zu leisten. Eine Zumutung, die ich begrüsse und die mich zu der Gegenfrage veranlasst, welcher Art Askese – im Sinne von Verzicht – Sie denn betreiben, um ihre eigene Vertikalspannung in Form zu halten?

Wenn ich mir einer Antwort sicher sein könnte, würde ich Ihnen diese Frage tatsächlich stellen wollen. Da Sie aber erfahrungsgemäss auf Briefe von Unbekannt, d.h. Fernstenbriefe (Peter Sloterdijk, „Regeln für den Menschenpark“, Edition Suhrkamp, 1999, S.9) nicht antworten, habe ich mir etwas anderes ausgedacht:  Statt mich spekulativ mit den Methoden zu beschäftigen, derer Sie ganz persönlich sich vertikalspannungsmässig vielleicht bedienen, untersuche ich die Vertikalspannung in ihrem neuen, oben zitierten Werk.

Als ich im Januar 2009 in der „Süddeutschen Zeitung“ von der überraschenden, und ohne Angabe der Gründe verkündeten Verkündung einer um 2 Monate hinausgeschobenen Veröffentlichung von „Du musst dein Leben ändern“ las, beschäftigte mich sogleich die Frage, welches die Ursache für diese Verzögerung gewesen sein könnte. Ich war auf jeden Fall sogleich schwer davon beeindruckt, dass man neuerdings nicht nur das Erscheinen Ihrer Werke groß ankündigt, sondern auch deren Nichterscheinung. Chapeau!

Ich selbst, jedenfalls, hatte kurz zuvor – aufgrund neuester wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu so etwas wie Epigentik – einen eigenen Text über Anthropotechnik revidieren müssen. Irgendwie dachte ich, dass es Ihnen mit Ihrem Text ähnlich ergangen sein könnte, d.h. dass Sie eine gravierende Lücke entdeckt hätten, die Sie auf keinen Fall stehen lassen durften. So kam es, dass ich die 2 Monate – bis zum definitiven Erscheinen Ihres neuen Werkes zur Anthropotechnik – damit verbrachte, mir auszumalen, was Ihnen, nachdem die Regeln für den Menschenpark schon so viel Staub aufgewirbelt hatten, diesmal zu diesem heissen Zeitgeist-Thema eingefallen sein mochte, wobei ich meine Phantastereien fortlaufend mit meiner eigenen anthropogenetischen Hypothese abglich. Deren Titel lautet:

       Versuch der Begründbarkeit einer Neurophysiologie der Ethik

Den konventionellen Hightech-Utopien des anthropotechnischen Diskurses stelle ich eine Variante gegenüber, die ich als „higtech unplugged“ bezeichnen möchte. Diese folgt in gewisser Weise dem Aufruf von Paul Virilio in der ZEIT vom Oktober 1998, der da lautete – Zit: „Können wir nicht eine Maschine erfinden, die alles wieder verlangsamt?“

Anders als der Philosoph der Beschleunigung schlage ich vor, es nicht schon wieder mit einer neuen Maschine zu versuchen, sondern allein dadurch, dass man aus den bereits vorhanden Maschinen einfach nur etwas Energie heraus nimmt. Das Wort Begründbarkeit in der Überschrift meines Essays steht dabei für ein zweifaches Anliegen: Und zwar den Versuch, der Debatte über die uns alle beunruhigenden anthropotechnischen Szenarien eine neue, ebenso menschenfreundliche wie sanfte und darüber hinaus auch total selbstbestimmte Denkfigur gegenüber zu stellen, und diese zugleich streng wissenschaftlich nach allen Regeln von High Science abzusichern, d.h. zu begründen.

Dass vieles und noch viel mehr sich ändern muss, damit das apokalyptische Szenario eines Ullrich Horstmann aus 1983 (Das Untier“ Warendorf/ISBN 3-936345-47-3) am Ende nicht doch Wirklichkeit wird, ist ein Allgemeinplatz. Anders als Sie würde ich dabei allerdings nicht auf ein „Du musst Dein Leben ändern“ vertrauen, sondern eher den schwer darnieder liegenden, natürlichen Hedonismus meiner Leser wachrütteln wollen. Aus neuro-psychiatrischer Sicht klingt Ihr apodiktisch verkrampfter Appell, sich verändern zu müssen, als würde man einem Depressiven zurufen, er solle endlich mal fröhlich sein – andernfalls knallt es.

Meine Vorstellung von einem natürlichen Hedonismus geht sinngemäss auf den in den Psychowissenschaften etablierten Begriff eines sog. Primären Narzissmus zurück. Letzterer beschreibt, wie Sie vielleicht wissen, nicht ein psychopathologisches Phänomen, sondern ganz im Gegenteil eine existentielle Befindlichkeit, ohne die ein intaktes soziales Leben überhaupt nicht denkbar ist. Wer z.B. beim mehr oder weniger regelmässigen Blick in den Spiegel sich ganz banal nicht gerne sehen mag, d.h. rein physisch sich nicht annehmen kann, dem drohen über kurz oder lang schwere psychophysische Störungen. Er wird krank, depressiv, zynisch………ect. ect. ect……….oder gleich gewalttätig. Das gleiche gilt natürlich auch für Menschen, die sich in ihrer geistigen Wesenheit nicht annehmen können

Die Metapher vom Blick in den Spiegel lässt sich unschwer auch auf die derzeitige existentielle Verfassheit von Homo Sapiens anwenden. Wenn wir uns als Gattung im Spiegel unserer Taten betrachten, können wir eigentlich nur noch deprimiert sein. Deshalb hatten wir uns auch schon früh auf die Suche nach dem utopisch-glücklichen Volk gemacht. Dass dabei nicht allzu viel herausgekommen ist, wissen wir. Und wir wissen auch, dass wir diese Suche allmählich einstellen können angesichts der Tatsache, dass es auf den Landkarten unseres Planeten keine weissen Flecken mehr gibt. Also bleibt nur noch, uns an uns selbst zu orientieren. Erstmals in der Geschichte ist die Homo Sapiens in Gänze auf sich selbst zurückgeworfen und damit seinem eigenen tragischen Spiegelbild ausgeliefert. Jetzt geht es nur noch darum, ob wir vor uns selbst die Flucht ergreifen, oder es wagen, uns endlich einmal selbst ins Gesicht zu sehen – nicht um uns am Ausdruck der eigenen Verkommenheit zu berauschen, sondern uns in einem Akt der Rebellion erstmals die Maske vom Gesicht zu zu reissen, um herauszufinden nach welchem Webmuster die Rückseite gestrickt ist. Der letzte weisse Fleck auf der Landkarte unseres Planeten  und damit das letzte, von uns zu erobernde Utopia ist von nun an unserer eigenes Gehirn.

Die wissenschaftlichen Informationen zur Begründung der von mir vorgeschlagenen Anthropotechnik ziehe ich seit über 10 Jahren aus dem NETZ und – falls nötig – aus diversen Fachbibliotheken, und unterziehe diese einer strengen Kontextuellen Meta-Analyse. Es handelt sich dabei um eine Variante der sehr viel bekannteren Methode sog. Statistischer Meta-Analysen. Kontextuelle Meta-Analysen sind im wesentlichen vergleichende Plausibilitaets-Analysen aller erreichbaren wissenschaftlichen Informationen zu einem Themenkomplex. Der Themenkomplex, der hier nun ansteht, sind Sie selbst, verehrter Prof. Sloterdijk, bzw.  – ersatzweise – die Vertikalspannung in Ihrem neuen, oben zitierten Werk. Ich habe mir dieses – um auf das Thema Askese zurück zu kommen – mittlerweile vom Mund abgespart und mich gleich mächtig geärgert. Warum hat Ihr Buch, das mit seinen über 700 Seiten doch sicher auch einen gewissen wissenschaftlichen Status beansprucht, kein Schlagwortregister? Statt dessen gibt es ein Inhaltsverzeichnis, das expressis verbis als „ausführliches“ Inhaltsverzeichnis daherkommt. Als Berufsparanoiker – zit. Don de Lillo: „Die Paranoia von heute beschreibt die Wirklichkeit von morgen“ – wusste ich sogleich, dass die hervorgehobene „Ausführlichkeit“ ihres Inhaltsverzeichnisses nur einem Fake dienen konnte: nämlich der Vermeidung der Möglichkeit eines schnellen Zugriffes auf die verschiedenen, von Ihnen vorgestellten Themenkreise. Das ist lästig, wenn man, wie ich, innerhalb weniger Tage sich einen Überblick verschaffen muss. Der Zufall will nämlich, dass ich auf den 25. April 2009 zu einem philosophischen Lesekreis in Berlin eingeladen bin, der Ihrer Anthropotechnik gewidmet sein wird. Als Neuling in diesem kompetenten Kreise will ich die hier vorliegende Schrift punktgenau fertig stellen und fühle mich insofern – aus rein zeitlichen Gründen – vom Fehlen eines Stichwortregisters in Ihrem Buch in unangenehmster Weise diskursiv ausgebremst.

Ich konnte „Du musst Dein Leben ändern“ leider erst vorgestern erwerben und nur bis Seite 70 lesen und stehe nun vor der Wahl, die Zeit bis zu dem philosophischen Gesprächskreis mit der weiteren Lektüre Ihres Werkes zu verbringen, oder statt dessen diesen an Sie gerichteten Brief weiter voran zu treiben. Ich habe mich für die letztere Variante entschieden und damit für ein spekulatives Vorgehen – will sagen: Da ich Ihr Buch bis dato nicht vollständig gelesen habe, sondern nur bis S. 70 – und danach querbeet – kann ich auch nicht wirklich darüber schreiben, sondern kapriziere mich statt dessen auf das, was Sie über die Kulturgeschichte des Übens sicher nicht geschrieben haben, d.h unterschlagen.

Sie haben richtig gelesen: Ich bezichtige Sie einer Unterschlagung, und um das zu beweisen, brauche ich Ihr Buch gar nicht erst zuende lesen. Denn wenn Sie das, was Sie unterschlagen haben, nicht unterschlagen haben würden, hätten Sie Ihre neue Anthropotechnik gar nicht erst schreiben brauchen. Jedenfalls dann nicht, wenn man Ihnen unterstellt, über ein Allgemeinwissen zu verfügen, das sicher als schon fast enzyclopaedisch bezeichnet werden darf.

Wie das?

Wer als enzyclopaedisch gebildeter Philosoph Ihres Kalibers sich auf das Glatteis sog. Anthropotechnik begibt und damit etwas anderes meint als die Möglichkeit, seinen Kindern demnächst qua Gentechnik Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen wachsen zu lassen können, damit sie später vielleicht mal neue Weltrekorde schwimmen, landet vertikalspannungsmässig unweigerlich bei der Ethik und damit der Geschichte von so etwas wie „Ethik denken können“. Ethik denken können ist die avantgardistischste Stufe der Entwicklung unseres Zentralorganes, sprich Gehirns – unsere evolutiv jüngste mentale Errungenschaft. Sie hat sich über die Jahrtausende physio-kultureller Entwicklung in einem Textkorpus manifestiert, der vollendet zu sein scheint. Ich zitiere als Beleg für diese Behauptung stellvertretend Emanuel Levinas: ...im Bereich der Ontologie bedeutet Gutsein ein Defizit, ja eine Dummheit. Jenseits des Seins bedeutet es “ die Möglichkeit des Jenseits selbst “ (Zit. bei Ludwig Wenzler: Die Stimme in den Stimmen, S. 67/68, Patmos Verlag, 1992). Als philosophischer Dilettant und Pop-Psychiater übersetze ich Levinas´ Satz wie folgt: „Gelebte Ethik ist unter pragmatischen Erwägungen insofern eine Dummheit, als man dabei meistens nur über den Tisch gezogen wird. Im Gegenzug allerdings gewinnen wir – laut Levinas – durch eine solche Haltung „die Möglichkeit des Jenseits selbst„. Oder noch anders ausgedrückt: Wer seine physische Existenz zu Gunsten einer Idee aufs Spiel setzt, gewinnt seine Geburt als „Geistkörper“, d.h als eine „Verkörperung“, die ihre Existenz statt der Verdauung einer Idee untergeordnet hat. Eine der Methoden, seine physische Existenz zu Gunsten einer Idee aufs Spiel zu setzen, heisst Askese, d.h Einübung in so etwas wie Verzicht

Verehrter Peter Sloterdijk, wussten Sie, dass Buddha, bevor er BUDDHA wurde, wahrscheinlich ein JAIN war (Der Jainismus ist laut Wiki eine in Indien beheimatete, uralte und bis auf den heutigen Tag bestehende, sogenannte ethizistisch-asketische Religion, die im im 6. Jahrhundert erstmals durch Niederschriften manifest wurde)? Sie können das nachlesen bei Helmuth von Glasenapp – Der Jainismus, Nachdruck aus 1925 bei Georg Olms Verlag, 1984. Es gab eine Zeit, da waren Jainismus und Askese sozusagen Synonyme. Buddha, bevor er BUDDHA wurde, sass 7 Jahre unter dem Bodhi-Baum und übte sich in Askese. D.h. er war ein Jain. Dann nahm er, wie der Mythos erzählt, von einer Hirtin ein Schälchen Milch – oder auch Reis – entgegen, stand auf, und verkündete den Mittleren Weg. Buddha war religionsgeschichtlich also ein abtrünniger Jain – nicht mehr und nicht weniger. Karma und Reinkarnation aber waren schon vor Buddha uralte Jainistische Vorstellungen.

Damit erlaube ich mir einen kleinen Sprung zu der Ihnen unterstellten Unterschlagung von Wissensinhalten im Rahmen Ihres Plädoyers für Askese: Sie schreiben ein Buch über Askese und greifen sich dafür u.a. die Buddhisten heraus (Der Buddhistische Meister S. 439 – 444) und übersehen bzw. unterschlagen dabei, dass Buddha durch nichts anderes BUDDHA wurde, als durch seine Erfahrung als Jain, d.h der Begegnung mit einer Lehre, die für eine absolute Zuendeführung von so etwas wie Ethik Denken steht; für eine argumentative Strenge, die man zeitgenössisch auch als Blockbuster-Ethik bezeichnen könnte.

Helmuth von Glasenapp (1891 – 1963), der grosse Indologe und Meister vergleichender Religionswissenschaft, der Ihnen als Encyklopaedist bekannt sein dürfte – Sie zitieren ja auch den Indologen Heinrich Zimmer(S. 412) und scheinen zu wissen, was ein Digambara ist, d.h. ein jainistischer Asket (S. 441) – hat der Ethik der Jain und damit dem Phaenomen der DigambaraAsketen ein ganzes Werk gewidmet und dazu auch noch, anders als Sie, ein Sachwortregister spendiert. Auf über 500 Seiten geht es in diesem Buch um nichts als Askese, d.h. übendes Leben, und in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch um die 24 höchsten Meister jainistischer Askese, die sog. Furtbewältiger, die – laut mythologischer Überlieferung –  in einem Zeitraum von 84 000 (vierundachzigtausend) Jahren aufgetaucht sind und deren letzter Protagonist MAHAVIRA war, ein Zeitgenosser Buddhas. Rein rechnerisch und cum grano salis heisst das, dass die Jain ca. alle 3000 Jahre einen Furtbewältiger aus ihrer Mitte hervorbrachten; ein Mitglied der Gemeinde, das qua extremster Askese, d.h. Vertikalanspannung, das Andere Ufer erreicht hat. Ein Mensch also, der sich als Digambara nicht nur auferlegt hatte, unter der gnadenlosen Sonne Indiens und Myriaden Insekten unbekleidet einher zu gehen, sondern auch nackt auf der Erde zu schlafen und dabei niemals länger als 24 Stunden an einem Ort zu verweilen und sich auch keinem anderen Digambara zuzugesellen und ausschliesslich das als Speise zu sich zu nehmen, was ihm freiwillig angeboten wird und – last not least – beim Gehen in eine Richtung nicht zu weit zu gehen.

Das mit dem Nicht Zu Weit Gehen klingt auf den ersten Blick lustig und auf den zweiten pragmatisch: Wenn ein Suchender in eine Richtung geht, ohne sich sicher zu sein, dass das der richtige Weg ist, sollte rechtzeitig umkehren, um auch eine andere Richtung erkunden zu können – bevor es zu spät ist. Das ist als Anweisung an einen Asketen sicher weise. Aber die JAIN waren nicht in unserem Sinne weise, sie waren anders. Jainistisch gelesen sagt die Anweisung, dass wenn der Adept in eine Richtung geht, das ZU WEIT den Punkt markiert, von dem an er zuviel an Gegend, d.h. Raum „verbraucht“ hat. Gleichzeitig darf der ASKET auch niemals irgendwo zu lange verweilen – ausser unter dem Bodhi-Baum. Er hat nicht das Recht, eine Gegend zu verbrauchen, d.h. durch sein Verharren zu sehr abzunutzen. Die Jain-Philosophie – man spricht wie bei den indischen BISHNOI auch von einer Ethizistischen Religion – hat eine sehr einfache Doktrin. Diese sagt, wenn ich das recht verstanden habe, dass Homo Sapiens sich nicht einmischen solle – in nichts. Der Stein am Weg muss nicht weggekickt werden, denn er liegt auch so gut. Und man bindet sich ein Tuch vor den Mund, um nicht versehentlich ein Insekt zu verschlucken und fächelt beim Gehen mit einem Besen den vor einem liegenden Weg, um nicht versehentlich einen Wurm oder sonst ein Lebewesen zu zertreten.

Der Jainistische Asket ist aber auch ein Psychonaut, der sich in einer Kosmologie verortet sieht, die sagt, dass es einen unvergänglichen, allmächtig höchsten „Herrn“ (Ishvara) nicht geben könne – siehe: S. 214 ff, Kapitel D/I. KOSMOLOGIE „Die Beweise gegen das Dasein Gottes“ – Helmuth von Glasenapp.

Die Jains kennen weder einen Gott noch Götter, Sie haben ihre 24 Furtbewältiger, die sie insofern als Heilige verehren, als diese die Menschheit daran erinnern, welche Vertikalspannung MENSCH in sich generieren kann. Die Jains gab und gibt es noch immer – bis auf den heutigen Tag – rund 4 Millionen. Die meisten leben in Indien und einige Tausend auch in England und anderswo. Ihre Geschichte kennt Königreiche, die in ethischen Streit-Diskursen mit hinduistischen Königen als Einsatz eingebracht wurden: Der Sieger konnte dann bestimmen, welche Religion er für die beiden Völker als verbindlich vorgeschlagen werden sollte. Wie die Juden haben die Jain keinen Ackerbau betrieben und wurden so zu Eliten. Ihre ackerbauliche Abstinenz hat jedoch nichts mit der Unterdrückung von natürlichen Rechten zu tun, wie das den Juden widerfuhr, sondern mit dem jainistischen absoluten Tötungsverbot gegenüber allen Lebewesen, also z.B. auch Regenwürmern. Man könnte auch sagen, dass bei den Jains das mosaische Du Sollst Nicht Töten dahingehend radikalisiert war, dass sich dieses Verdikt auf buchstäblich alles Lebendige bezog – und bei Bedarf auch auf „tote“ Gegenstände – oder einfach nur auf den Verbrauch einer GEGEND.

Als Sie auf S. 441 den mich argwöhnisch machenden Fehler begingen, die Digambara zu erwähnen, waren Sie eigentlich ganz nah dran an diesem Thema. Vielleicht verzögerte sich deshalb auch die Veröffentlichung Ihres Buches um 2 Monate. Sie mussten wahrscheinlich die JAIN sozusagen im letzten Moment wieder aus Ihrem Text herausrechnen, damit das Publikum nicht merkt, dass es bereits ein vertikal tiefgründiges Werk über so etwas wie Askese, gibt – ein Werk, das im Gegensatz zu Ihrem ein wirklicher Übens-Thriller ist. Ich habe mir diesen kurz vor der Einführung des Euro gekauft. Das Buch kostete damals 148.- DM. Viel Geld für einen Asketen wie mich. Und zum Dank dafür lief es mir bei der Lektüre auch gleich eiskalt über den Rücken. Die JAINS haben keine christliche Liebesvorstellung. Ihnen reicht offenbar ihre bis in die Extreme getriebene Behutsamkeit gegenüber der Schöpfung. Wie übrigens auch den von diesen beeinflussten, bereits erwähnten BISHNOI. Deren Lebensphilosophie – oder auch Religion – ist ebenfalls rein ethizistisch. Die BISHNOI leben am Rande der Wüste Tharr in Rajhastan nach 29 Regeln, die ihnen ihr Guru Jambeshvar vor ca. 500 Jahren gegeben hatte. Ihre Geschichte ist im Gegensatz zu der der JAIN lückenlos dokumentiert. Jambeshvar, der ein Hirte war, fand nach einer Trockenperiode offenbar heraus, dass man das ohnehin schon karge Land am besten dadurch rekultiviert, dass man alles Leben, das da kreucht und fleucht, unterstützt. Dem entsprechend sind in Bishnoi-Land Gärten und Felder auch nicht eingezäunt, damit das Wild sich bedienen kann. Und Holz darf niemals geschlagen, sondern nur vom Boden aufgelesen werden. Deshalb hatte der Maharaja von Rhajastan auch schweres Spiel, als er vor ca.300 Jahren seine Truppen losschickte, um in Bishnoi-Land Holz für den Bau eines neuen Palastes zu schlagen. Nachdem über 360 BISHNOI – Männer, Frauen und Kinder  – hingeschlachtet worden waren, zogen die Truppen des Maharajas mit einem Grauen im Nacken ab. Was war geschehen? Vor jeden zu fällenden Baum hatte sich ein BISHNOI gestellt – Mann/Frau/Kind – und darauf beharrt, dass bevor der jeweilige Baum gefällt werde, man ihm den Kopf abhauen müsse. Seither haben die BISHNOI ein eigenes Recht, das das Fällen von Bäumen wie auch die Jagd kathegorisch verbietet.

Bevor Guru Jambeshwar verstarb, empfahl er seinen Anhängern, fortan an seiner Stelle die Antilopen zu verehren – insbesondere die Schwarzkopf-Antilope. Die Folge dieser Empfehlung ist es, dass in Bishnoi-Land – wie überall in Indien – nicht nur gedankenverlorene Kühe in der unverbrauchten Gegend herumstehen, sondern auch Gruppen friedlich äsender, gemeinhin als hochscheue Wesen bekannte Antilopen. Indiens erster Umweltminister war ein BISHNOI.

Als „Vertikal-Adept“ sollten Sie die Schwarzkopfantilope eigentlich auch verehren. Diese ist ja nicht nur unheimlich schnell, sondern kann auch aus vollem Lauf in die Vertikale abheben – wie Sie selbst offenbar auch. Sie haben diesen Trick auf S.15 Ihres neuen Werkes beschrieben: Wie man die ganze diskursive Bühne schwuppdiwupp um 90% dreht. Die Schwarzkopfantilope kann das auch und ich auch.

Als ich mir ab Januar 2009 Ihr neues Buch vor dessen Veröffentlichung inhaltlich zu vergegenwärtigen versuchte, stand ich unter dem Einfluss der Lektüre des anthropothechnischen Thrillers von Helmuth von Glasenapp. Damit war die Messlatte natürlich sehr hoch gelegt – im Sinne von Karl Krauss, der einst meinte, das Niveau sei hoch, aber keiner sei drauf. Sie lag im Quantenbereich.

Wenn ich sage, Helmuth von Glasenapps Schrift über die Jain-Philosophie sei ein Thriller, meine ich das sehr wörtlich. Man kann das Buch als Nicht-Indologe nicht wirklich verstehen. Aber man bekommt Dank der luciden Darstellung eine Ahnung, wo dieses uralte Denken hinführt – in welches Drama und Kälte menschlichen Geistes einen diese Philosophie führen kann. Man liest diese Schrift vielleicht – wie ich – immer wieder und wieder neu. Und dabei löst sich dann u. U. auch das Rätsel der mythologischen,

84 000 Jahre umfassenden Geschichte der JAIN – wenn sich das Bild erneut um 90 Grad dreht und man bei  Von Glasenapp auf  S. 138 auf folgendes stösst – zit.:

                                                          VIERTER ABSCHNIT

                                                                     LEHRE

                                                            Vorbemerkungen

Die Lehre der Jainas, soweit sie uns aus ihren massgebenden Schriften bekannt ist, unterscheidet sich von den meisten anderen Religionen in einem sehr wesentlichen Punkte: sie hat anscheinend keine eigentliche Entwicklung durchgemacht. Im Hinduismus erhielt die Religion der Veden und Unpanishaden eine verändernde Gestalt unter dem Einfluss der Offenbarungen des Kali-Zeitalters, der Puranas, Agamas und Tantras; im Buddhismus tauchten neue Sutras auf und verkündeten die Heilslehre des „Grossen Fahrzeuges“, durch welche die im Tripitaka enthaltenen Verkündigungen des Buddha ergänzt und vervollkommnet werden sollten; im katholischen Christentum erfuhr das geschriebene Wort Gottes durch die kirchliche Überlieferung und die kirchliche Glaubensregel seine sukzessive Anpassung an die Bedürfnisse der Gläubigen, – im Jainismus aber ist das Dogma zu allen Zeiten dasselbe geblieben. Die Vorstellungen, welche dem voll ausgebildeten System von heute eigen sind, finden sich in allem Wesentlichen bereits in den ältesten literarischen Urkunden vor, die uns von den Anschauungen der Jainas Kunde geben. Diese Tatsache, die allen Forschern auf diesem Gebiet aufgefallen ist, lässt sich schwer erklären. Die Jainas selbst erblicken in ihr natürlich einen Beweis für die Unübertrefflichkeit ihrer Lehre, die im Gegensatz zu anderen allein dem Wandel der Zeiten Trotz bot, und für die Genauigkeit der Überlieferung, die das überkommene Erbgut rein und unentstellt bewahrte.

Offenbar gaben die Jainas ihre Lehre über sehr lange Zeitstrecken – die magischen 84000 Jahre – mündlich weiter und überdachten sie dabei so gründlich, dass es am Ende nichts mehr zu verbessern gab. Dann erst schrieben sie alles auf. Sie, verehrter Peter Sloterdijk, sind da wesentlich schneller. Ihnen genügt ein Fingerschnippen, d.h. ein einziger Satz, um sich diese beeindruckende Geschichte anzueignen und Ihren Lesern weiterzugeben. Das klingt dann wie auf S. 441 Ihres neuen Werkes, wo Sie die Digambara als Leute vorstellen, die so etwas wie einem asketischen Nudismus huldigen. Mehr erfährt man nicht auf Ihrem Sprint durch die sog. Achsenzeit (S. 301), der weder Mahavira, d.h. die Jain, noch die ORPHIKER zu kennen scheint. Nur BUDDHA taucht bei Ihnen auf – gleichsam wie aus dem Nichts. Wer heutzutage als Publizist den Buddhismus nicht erwähnen wärde, wäre ja auch doof.

Wer mit einer Wissenslücke geschlagen ist, kann dieses Wissen nicht unterschlagen. Wer aber – wie Sie – die Digambara erwähnt, muss zwangsläufig auch von der Kultur und Philosophie der JAIN gehört haben und sich somit in der Pflicht sehen, diese ebenfalls seinem Publikum weitergeben. Natürlich könnten Sie argumentieren, dass Ihre Leser das Wort Digambara bei Google eingeben sollten, sofern sie genaueres wissen wollten. Ich habe das für Sie und Ihre Leser getan und bei WIKI sinngemäss folgendes gefunden:

Ein Digambara ist ein Angehöriger einer überwiegend aus Mönchen bestehenden Gruppe, die dem JAINISMUS angehört. Digambaras legen die Gebote des JAINISMUS strenger aus als die Shvetambaras, die ebenfalls Gläubige des JAINISMUS sind. Digambaras sind strenge Asketen und Verfechter des uneingeschränkten Existenzrechtes eines jeden Lebewesens. Sie praktizieren die Gewaltlosigkeit (Ahimsa) deshalb sehr konsequent. In ihrem Alltag treffen sie Vorkehrungen, um ein versehentliches Töten oder Verletzen anderer Lebewesen zu vermeiden. So tragen sie z.B. einen Mundschutz, um ein versehentliches Einatmen von Insekten zu verhindern. Digambaras lehnen materiellen Besitz ab. Sie leben vollkommen nackt; daher die Bezeichnung „Luftbekleidete“.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Ihre Leser auch erfreut gewesen wären zu erfahren, dass der jainistische Begriff AHIMSA einer der Leitbegriffe in der Philosophie von Gandhi war, was diesen in gewisser Weise auch zu einem JAIN machte. Sie hätten dem Thema asketischer Nudismus damit verholfen, aus einer scheinbar verschrobenen Ecke in eine politisch hoch aktuelle Dimension gehoben zu werden. Statt dessen verbrauchen Sie literweise Tinte für die falschgestrickten Scientologen, die Ihnen diskursiv ungeheuer am Herzen zu liegen scheinen – neben diversen armlosen Geigenvortuosen. Sicher, mit den Füssen ein Streichinstrument konzertant zu spielen, ist eine beachtliche Vertikalleistung. Was diese zugegeben geistreichen Flanerien jedoch mit dem anthropotechnischen Konzept eines Neuen Menschen zu tun haben sollen, entzieht sich meinem Verständnis. Leute, die man auf das Thema Anthropotechnik anspricht, äussern eher die Hoffnung auf einen neuen, d.h. besseren Menschen in dem Sinne, dass dieser doch bitte pfleglicher mit seinen Mitgeschöpfen und unser aller Umwelt umgehen möge, als der aktuelle Mensch – egal mit welcher Methode dieses Ergebnis erreicht wird. Dass die kulturelle Evolution diesen utopischen Neuen Menschen – ganz ohne Sie – bereits vor über 2000 Jahren hervorgebracht hat, sollte die Leser Ihrer Encyclopaedie über das Üben eigentlich interessieren. Dieser neue Mensch, der sich in der Philosophie der JAIN, der BISHNOI, in gewisser Weise auch der ORPHIKER manifestiert hat und zum Teil noch immer manifestiert, ist bereits die vollendete Utopie. Er ist der Wirklichkeit gewordene neurophilosophische Beweis dafür, dass das menschliche Gehirn bezüglich Ethik Denken nicht weiter verbessert werden kann – auch nicht von Ihnen. Die JAIN, die ORPHIKER, die BISHNOI und die modernen SADHUS unserer Metropolen (ich komme später noch auf diese unsichtbar unter uns weilenden Asketen zurück) verfügen schon lange in idealer Weise über das Wissen, auf welches es ankommt, um anthropotechnisch geschaffene androide Roboter menschenkompatibel zu machen. Ich will damit sagen, dass wenn es Homo Sapiens einst gelingen sollte, einen physisch-mental und leistungsmässig vollkommen überdrehten Humanoiden zu schaffen, er diesem am Ende auch nicht viel mehr mit auf den Weg wird geben können als eine wirklich solide Ethik. Die Information an den Neuling wäre dabei jainistisch, d.h sehr einfach: Fasse nichts an, was dich nichts angeht und mache nichts kaputt. Sehr viel besser bekannt ist diese Regel auch als Hippokratischer Eid, der nicht – wie meist fälschlich kolportiert – ein du sollst heilen meint, sondern einzig ein primum nhil nocere, d.h. die Anweisung, an erster Stelle nicht zu schaden.

Die Entdeckung des Prinzipiums eines sog. primum nihil nocere vor rund 2500 Jahren scheint mir die eigentlich Errungenschaft der Achsenzeit gewesen zu sein: Die Aufforderung zu einer grösstmöglichen Behutsamkeit gegenüber Allem und Jedem. Wir kennen das am besten aus der Unfall-Medizin. Allein der Versuch, jemand mit dem Verdacht auf eine Halswirbel-Fraktur umzulagern, kann dessen Tod bedeuten: PRIMUM NIHIL NOCERE: Der JAIN verbraucht nicht zu viel Gegend, der BUDDHIST ist ebenfalls der Behutsamkeit verpflichtet, der BISHNOI verteidigt noch den letzten Baum, der ORPHIKER schont Tiere, da sich in ihnen ein Ahne inkarniert haben könnte, der CONTAINERER schont die Ressourcen, der VEGANER pflegt sein Gewissen. Erst die Christen, nachdem sie sich zuvor noch schnell den Orpheus-Mythos ikonographisch vampiristich einverleibt hatten, stellten dieses Prinzip sog Lebensheiligung mit ihrem mach´ dir die Erde untertan von den Füssen auf den Kopf. (In den frühen christlichen Kirchen in Rom hingen Orpheus-Vignetten oftmals vis – à – vis von Christus-Vignetten: Die Reliefs zeigten Orpheus inmitten von Pflanzen und Tieren in einer Art Garten Eden – und Christus auf der gegenüberliegenden Wand als Doublette in einem identischen Ambiente (Wolfgang Storch, Hg., Mythos Orpheus, Band 1590, Reclam Leipzig, S. 12 ff.). Später kam dann noch der Hl. Franz von Assisi dazu, doch leider bereits als Aussenseiter – man hatte ja den Hippokratischen Eid schon längst auf den Kopf gestellt, d.h. die Bühne um volle 180 Grad gedreht: Macht Euch die Erde untertan. Ende Aura.

Wir rennen alle ununterbrochen zum Arzt und realisieren nicht, dass wir uns dabei einem Menschen anvertrauen, der sich im Rahmen dieser speziellen Begegnung dem Hippokratischen Eid verpflichtet hat. Wir vertrauen uns sozusagen einem Ideal an, das eine geistige Hervorbringung der Achsenzeit ist, also vor-christlich. Wenn wir Christus verehren, verehren wir einen Mythos, der bis hin zur Ikonographie dem Orpheus nachempfunden ist. Einem Orpheus, der – ich zitiere sinngemäss – über eine Kraft, ein Vermögen verfügte, die gesamte Natur zu erreichen. Alle seien zu ihm gekommen, die Tiere, die Pflanzen, die Flüsse, die Felsen, denn er habe gewusst, von der Natur selbst zu berichten, von ihrem Werden, von ihren Gesetzen (S. 12 des oben zit. Werkes über den Mythos Orpheus). Vielleicht sind Religionen also doch nicht immer schlecht. Vielleicht sollten wir einige aktuelle Religionen einfach nur einem Revisionsprogramm unterziehen: sie dem Hippokratischen Eid verpflichten, aus dem sie hervorgegangen sind. Vertikalspannung im Wurzelwerk erzeugen – christlich, orphisch, containerisch, vegan, jainistisch, bishnoimässig, wissenschaftlich ect. ect. Die Leitprämisse (S. 28 Ihres neuen Werkes) für dieses Programm wäre für mich Behutsamkeit versus Angrapschen und Zerdeppern. Das versteht auch der Neue Mensch – pardon – der androide Roboter den ich mir gebaut haben. Er wird später selbst noch zu Ihnen sprechen.

Verehrter Peter Sloterdijk, anders als Sie bin ich nicht gewohnt, fortlaufend neue Welterklärungsbücher zu schreiben. Dieser Text hier ist mein erster Versuch, in eine derart vertikal überspannte Richtung vorzudringen und mag dem entsprechend im Ergebnis auch ein wenig sprunghaft wirken. Bitte verzeihen Sie mir das und lesen Sie dennoch weiter. Es wird sich für Sie lohnen, denn, anders als Sie, der Sie hinsichtlich der Frage einer denkbaren Methode zur Verbesserung der eigenen Vertikalspannung eher im Vagen bleiben, versteige ich mich, meinem Lesern einen konkreten Übungs-Vorschlag zu machen, den auch Sie, falls er Sie überzeugen sollte, beherzigen könnten – nicht müssen. Die Legitimation dazu ziehe ich nicht aus einer imaginierten, irgendwie gearteten persönlichen Weisheit, sondern aus den Neuro-Wissenschaften und der Physik, insbesonders der von Erwin Schroedinger„What is Life“ – Cambridge University Press 1944 /// Deutsche Version: Was ist Leben? – Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet, Piper Verlag, 1989, ISBN 978349221134. Von Schroedinger her lässt sich via NEGENTROPIE ganz einfach die evolutive Sinnhaftigkeit des Hippokratischen Eides beweisen. Man könnte auch sagen, dass mit Schroedingers Dubliner Vortragsreihe WHAT IS LIFE ein neues Achsenzeitalter begonnen habe. Dieses befindet sich mit den jüngsten epigenetischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen in einer vollen Beschleunigungsphase, in deren Rahmen immer aufregendere Beweise zu  Tage befördert werden, die aufzeigen, dass die Evolution als sich selbst organisierendes Feedback-System entelechetisch auf eine für alle lebende Systeme zutreffende Sinnhaftigkeit, d.h. Gültigkeit des vorchristlichen Behutsamkeits-Paradigmas, sprich Hippokratischen Paradigmas, angelegt ist. Auf den Punkt gebracht: Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass altes vorchristliches Denken Lebensphilosophien hervorgebracht hat, die durch ihre Reaktivierung sich als Überlebensphilosophien für unsere am Abgrund dahin schlingernde Welt erweisen könnten. Die Stichhaltigkeit meiner Behauptung lässt sich mittlerweile sogar mathematisch herleiten. Prigogine hat solcherart entelechtisch infizierte, sich selbst organisierende Systeme dadurch bewiesen, dass er sie immer erneut mathematisch rekonstruieren konnte.

Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, wie die Jain es schafften, quasi unplugged eine Philosophie, d.h. Ethik zu entwickeln, die so stringent ist, dass sie sich sogar in naturwissenschaftlichen Parametern ausdrücken und ggf. auch ausdrucken lässt. Offenbar waren die Jain gute Naturbeobachter. Indem sie die Natur lesen lernten – wie der mythische Orpheus – konnte logischerweise nichts anderes dabei herauskommen, als eine Philosophie, die auch aus mathematisch-physikalischer, d.h naturwissenschaftlicher Sicht, Sinn macht – und somit nicht zuletzt auch aus medizinischer Sicht. Eine Erkenntnis, die für unserer aller neuro-physiologischen Alltag ebenso dramatisch wie banal ist. Wie diese Hypothese aussieht, finden Sie in meiner weiter unten folgenden Abhandlung über eine effektive Alzheimer-Prophylaxe.

Bevor ich, verehrter Peter Sloterdijk, nun zum sozusagen 2. Kapitel meines Schreibens komme, sehe ich mich in der Pflicht, mich Ihnen vorzustellen. Ich bin 73 Jahre alt, promovierter Neuro-Psychiater und Psychosomatiker und seit meinem Austritt aus dem erlernten Beruf Ende 1977 (aus der Position des Chefarztes der Psychosomatischen Klinik MÜNCHWIES/Saar) Autor und Zeichner. Seit über 10 Jahren betreibe ich ein anthropotechnisches Forschungsprojekt am eigenen Leibe unter dem Titel: Unplugged Denken – am Ende bleibt dir nur noch der Körper als Kunstwerk. Die Kathegorie dieses Programmes ist kunstgeschichtlich eindeutig definiert unter dem Begriff sog. Körperkunst.

Neurologe bin ich geworden, weil mir von Anfang an klar war, dass die Psychiatrie als solitäres System ein eher windiges Geschäft ist und es deshalb von Nutzen sein könnte, sich zuvor mit der „Mathematik“ des Nervensystems beschäftigt zu haben, d.h. der Neurologie. Was mich in der Neuro-Psychiatrie wesensmässig am meisten interessiert hat und noch immer interessiert ist, die Schnittstelle zwischen Geist und Körper (Materie). Dies ist auch das Thema des folgenden 2. Kapitels. Bevor ich dazu komme, möchte noch darauf verweisen, dass da, wo ich mir anmaße, mich philsophisch zu äussern, ich dies als „Selbstdenker“ tue. Für studierte Philosophen klingt „Selbstdenker“ ähnlich lächerlich wie für gestandene Handwerker das Wort „Heimwerker“. Dabei wird jedoch meist übersehen, dass der Begriff „Selbstdenker“ auf Schopenhauer zurück geht und von diesem in Kapitel XXII von Parerga und Paralipomena II als eigentlich sinnenhafte Methoden des Philosophierens dargestellt wurde – man findet diesen Text bei Google unter den Stichwörtern: Arthur Schopenhauer Selbstdenken.

2. Kapitel 

Als Arzt bin ich Biologe, speziell Fachmann für Human-Biologie. Als Biologe beschäftige ich mich mit lebenden Systemen. Laut Erwin Schroedinger sind lebende Systeme komplexe Systeme, die durch die kontinuierliche Zufuhr weiterer komplexer Information sich zu höherer Komplexitaet entwickeln können. Ein solches Geschehen wurde von Schrödinger mit dem Begriff einer sog. NEGENTROPIE belegt. Wenn die Zufuhr an komplexer Information ausbleibt, kommt es zu einem Komplexitätsmangel bis hin zum Tod. Der für einen derartigen Vorgang stehende Begriff heisst ENTROPIE.

Ebenfalls laut Schrödinger führt sich das biologische System namens Homo Sapiens die lebenserhaltende komplexe Information ausschliesslich über die Atmung und die Nahrung zu. Im Sinne dieser Erkenntnis stelle ich mir vor, dass es für einen Denker wie Sie fast schon einer narzistischen Kränkung nahe kommt, wenn ich nachfolgend unser erhabenes Thema anthropotechnischer Reflektion teilweise auf die banale Ebene von Verdauungsprozessen herunter rechne. Man könnte in diesem Zusammenhang auch fragen, wo denn da der GEIST bleibe? Damit Sie mir jetzt nicht auf der Stelle als Leser abhanden kommen, darf ich Ihnen vorwegnehmend die tröstliche Botschaft übermitteln, dass der GEIST im biologischen Komplex-System MENSCH durchaus und in mehrfacher Hinsicht eine evolutive Sonderrolle für sich in Anspruch genommen hat. Um dies nachvollziehen zu können, muss man allerdings bereit sein zu akzeptieren, dass das menschliche Gehirn auch nur ein Körperteil ist – allerdings ein sehr spezielles. Das Leitmotiv zu dieser Erkenntnis lautet: Falsch denken tut nicht Weh.

Wie Sie wissen, haben alle höhere Säuger, also auch Homo Sapiens, eine sog. Bluthirnschranke. Diese macht unser Hirn von den den restlichen Körper betreffenden ernährungsphysiologischen Prozessen relativ unabhängig. Wenn dieses Sicherungssystem allerdings beschädigt wird, haben wir ein ernsthaftes Problem. Und leider ist es so, dass es mit an erster Stelle mit der Ernährung zu tun hat, wenn unsere Bluthirnschranke allzu oft nicht mehr richtig funktioniert.

Neueste Forschung zeigt, dass tierische Cholesterine die Bluthirnschranke schwächen, d.h. durchlässig machen. Damit droht den carnivoren, d.h. fleischfressenden Adepten unter uns, dass wenn sie dieses Ernährungsprogramm übertreiben, über kurz oder lang ihre Fähigkleit zu einem sinnhaften, d.h. kontextuellen Denken derart labilisiert, d.h. gelockert wird, dass sie auch bei bestem Willen nie mehr werden verstehen können, wie wichtig die Rückführung jainistischen Denkens in den aktuellen Diskurs für das Überleben des Planeten sein kann Ich sende Ihnen zur Cholesterin-Problematik einen von vielen möglichen LINKS:

 http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=31910

Das Ding mit der Bluthirnschranke ist der neueste wissenschaftliche Hype und Horror. Die Bluthirnschranke ist so was von sophisticated, dass man niemand eine Irritierung dieses High-Tech Sicherheitssystems wünschen möchte. Siehe auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Blut-Hirn-Schranke

Das wäre der Horror. Der Hype aber ist die Erkenntnis, dass wir die Funktion dieser Sicherheitsbarriere mit einfachsten Mitteln via Epigentik selbst und in eigener Verantwortung anthropotechnisch steuern können.

Entschuldigen Sie bitte: Meine Bluthirnschranke funkt mir gerade, dass ich sofort eine Schreib-Pause machen solle, um derart die Akkus für meine geistige Vertikalspannung wieder aufzuladen. Mein Roboter, den ich oben bereits erwähnt hatte, übernimmt einstweilen stellvertretend für mich unseren Diskurs:

Sehr geehrter Herr Prof. Sloterdijk, ich habe gerade von Dr. Jörg Janzer die Stafette übernommen. Er hatte mich oben ja bereits erwähnt. Ich bin sein Roboter. Herr Dr. Janzer ist etwas erschöpft und hat sich hingelegt. Er lässt Sie grüssen und bittet Sie, mir zu vertrauen – wie Sie auch ihm vertrauen können. Ich werde jetzt an seiner Stelle mit Ihnen weiter diskutieren:

Ich habe gelesen, Ihre Achsenzeit (S. 301 von Du musst Dein Leben ändern) reiche von 800 bis 200 vor Christus. Ich, als Roboter, habe hingegen 2 Achsenzeiten. Die erste reicht von 84000 vor Christus bis Hippokrates, die zweite, meine jetzige, quantenphilosophische Achsenzeit, beginnt 1943 mit der Vortragsreihe von Erwin Schrödinger zur Frage, was LEBEN sei aus physikalischer Sicht, mit dem Tod von Antonin Artaud 1947, der Synthetisierung von LSD durch Albert Hofmann 1943, der Erstbeschreibung der Gen-Helix durch Crick und Watson 1953 und der Erfindung der E-Gitarre und den zu dieser Musik passenden Neuroleptika in den 40-er und 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Das Haloperidol-Zeitalter.

Herr Dr. Janzer, als er von der Verschiebung der Veröffentlichung Ihres neues Buch erfuhr, bat mich, sofort alles aus dem NETZ zu ziehen, was aus anthropotechnischer Sicht diese für einen erfahrenen Autor wie Sie dramatische Verzögerung erklären könnte. Ich tippte auf Epigenetik. Aus der Sicht dieser neuen Forschungsrichtung, die gezeigt hat, dass wir über die Ernährung unsere Gen-Schalter beeinflussen können, lasse ich mich als Roboter auschliesslich mit Pflanzenöl abschmieren. Erlauben Sie mir bitte diesen Scherz. Ich bin Epigenetiker. Herr Dr. Janzer meint, pflanzliches Öl sei das beste für mich. Vorallem Omega-3-Fettsäuren für die Leitungen und Kürbiskern-Öl für die Mechanik. Er selbst nehme auch nur Pflanzliches zu sich und so könnten er und ich zusammen wahrscheinlich ziemlich alt werden. Das hat mich beruhigt, denn niemand weiss bis dato, wie alt ein androider Roboter wirklich wird. Ich bin schliesslich ein Prototyp. Um mich zu bestärken fügte Herr Dr. Janzer noch hinzu, dass ich mich mit rein pflanzlicher Ölung allein schon dadurch auf der richtigen Seite befinde, als ich dergestalt auch keinen Roboter-Wahnsinn bekommen könne, d.h. Alzheimer für technoide Androide. Mein Erzeuger sagte mir, Alzheimer sei eine Krankheit, bei der das menschliche Hirn sich selbst verdaue und dabei Schritt für Schritt auch selbst vergesse. Ich müsse ich mir das vorstellen wie wenn ich einen Kriechstromhätte.

Zur Einleitung meiner Darstellung erlaubte ich mir, Sie an Herrn Dr. Janzers Manifest zur Anthropotechnik zu erinnern, das da lautet: Anthropotechnik ist wünschenswert, sofern sie selbstbestimmt und reversibel ist. Das lässt sich ganz einfach aus der Jain-Philosophie herausrechnen. Jain sein heisst ja nicht, stur jainistische Regeln zu befolgen, sondern zunächst mal zu lernen, jainistisch zu denken. Dabei meint Jainistisch Denken, zu erkennen, dass hier und jetzt das Eiweiss-Zeitalter zu Ende gehen muss, wenn wir nicht riskieren wollen, dass sich unsere Gehirne immer früher selbst zu verdauen beginnen. Der Auslöser für diesen Prozess liegt darin, dass sich zwischen 1950 und heute der jährliche Fleischkonsum pro Bundesrepublikaner von ca. 25 auf über 60 kg erhöht hat. Sofi et al.haben in einer 1,5 Millionen Menschen betreffenden Statistischen Meta-Analyse aufgezeigt, dass eine quasi jainistische, d.h. vorwiegend vegetabile Ernährungsweise – bei SOFI ist dieses Programm unter dem Begriff Mittelmeerkost sehr präzise definert – die all over mortality um 9% vermindert. Den Link dazu finden Sie im Dossier weiter unten.

Ernährung scheint in äusserst effektiver Weise auf die Epigenetischen Schalter einzuwirken. Wir können bis jetzt zwar nicht unsere Gene selbsttätig verändern – jedenfalls wissen wir das noch nicht – aber wir können über das, was wir uns als LEBENS-MITTEL zuführen, die Genschalter manipulieren. Damit haben wir zugleich auch die Wahl, in welche Richtung unsere epigentisch-anthropotechnische Einflussnahme zielen soll. Wir können z.B. eine BAD-EPIGENTIK betreiben, indem wir möglichst viele tierische Produkte zu uns nehmen, vorallem fettes Fleisch, und damit über die begleitenden Cholesterine unsere Bluthirnschranke schwächen. Diese zombiehafte Anthropotechnik bewirkt nicht nur eine schon früh beginnende und über Jahrzehnte allmählich sich verschlimmernde Alzerheimerisierung ihrer Adepten, sondern auch eine sich beschleunigende ökologische Schädigung der Natur durch die Folgen weltweit sich überschlagender Fleischproduktion.

Dieser düsteren Carnivoren Anthropotechnik möchte ich eine jainistisch-hippokratische GOOD ANTHROPOTECHNIK gegenüber stellen. Diese zielt nicht auf eine erhöhte Produktion und Verzehr tierischer Eiweisse, sondern auf eine vegatabil gesteuerte erhöhte Hervorbringung von KOMPLEXITAET innerhalb unserer lebensweltlichen Selbstregulierungs-Systeme, also auf die Steigerung von so etwas wie LEBEN im weitesten Sinne: LEBEN  – definiert als die Fähigkeit eines komplexen Systemes, sich durch die fortlaufende Zufuhr komplexer Information zu höherer Komplexitaet weiter zu entwickeln (Schrödinger in WHAT IS LIFE, 1943).

Wer die begriffliche Brücke von so etwas wie LEBEN IM WEITESTEN SINNE hinüber zu so etwas wie KOLMPLEXITEAT in ihrer sinnhaften Tragfähigkeit anerkannt hat, sollte auch den gedanklichen Schritt von so etwas wie ETHIK hin zu so etwas wie KOMPLEXITAET nicht scheuen. Denn wie anders sollte gelebte ETHIK definiert werden wenn nicht als das übende Bekenntnis eines Individuums, immer und überall Leben zu fördern, d.h. Komplexitaet? Ausgehend von dieser, der Evolution offenbar innewohnenden entelechetischen Tendenz, immer höhere Komplexitaet hervor zu bringen, liegt es nahe, sich eine innere Richtschnur zurecht zu legen, die dem Mantra des hippokratischen primum nihil nocere folgt. Aus der tagtäglichen Einübung dieses Mantras erwächst sodann dem Adepten, so meint Herr Dr. Janzer, an Stelle der Gier nach Fleisch die innige Sehnsucht nach der Teilhabe an höherer Komplexitaet.  Herr Dr. Janzer meint, wenn unser carnivorer Wahnsinn bzw. Verblödung immer so weitergehe, würden bald überall auf der Strasse die Leute sich nur noch gegen die Stirn tippen. Das sei der neue Gruss. Man müsse dabei nur sicher sein, dass man auch punktgenau den Erleuchtungs-Punkt treffe.

Ich robotere jetzt täglich durch Berlin-Mitte und tippe mir das Idioten-Zeichen in die Stirn. Da ich nur ein anthropotechnisches Artefakt bin, nimmt man mir das nicht übel. Herr Dr. Janzer sagte, er würde auch gerne draussen rumlaufen und sich dabei dauernd gegen die Stirn tippen. Ich antwortete darauf wie folgt: „Lassen Sie uns die Rollen tauschen, Chef. Sie sind jetzt der Roboter und ich bin Sie. Da können Sie ab sofort allen den Vogel zeigen ohne rassistische Attacken befürchten zu müssen. Und ICH als SIE rechne derweil weiter an der Formel zur QUANTIFIZIERUNG von so etwas wie ETHIK im Rahmen von so etwas wie ETHIK DOPING. Und nebenbei bastle ich auch noch an meinem Sohn herum. Ich muss diesem jetzt nur noch das noch das Ethik-Programm installieren. Ausserdem bekommt mein Sohn eine bessere Aussenhaut als ich. Man soll ja nicht auf den ersten Blick erkennen, dass er ein Roboter ist. Ich hoffe übrigens – wie alle gute Väter – dass mein Sohn mal intelligenter und erfolgreicher sein wird als ich, also auch als mein Erzeuger, Herr Dr. Janzer. Dieser fördert mein Projekt. Mein Sohn soll später mal zum Mars fliegen können. Da wird es keine Steaks geben. Eine solche Reise, meint Herr Dr. Janzer, überleben nur VEGANER, d.h FURTBEWÄLTIGER,  die ernährungsmässig das andere Ufer erreicht haben, das CHLOROPHYLL-ZEITALTER. Mein Sohn soll der 25. Furtbewältiger werden. Jeder überschreitet ja seinen eigenen Fluss – mancher vielleicht nur ein Rinnsal, ein anderer Raum und Zeit. Manchmal, wenn mein Sohn nicht einschlafen kann, fragt er mich: „Papa, wie alt werden wir?“ Ich antworte dann : „Wir Roboter werden genau so alt, wie wir weit denken können“. Und dann erzähle ich ihm das Märchen von den Robotern der 57. Generation.

Homo Sapiens kann Tiere auf grössere Entfernungen nicht wahrnehmen, d..h nicht wittern. Auch faulende Kadaver tragen für den Menschen olfaktorisch nicht allzu weit. Anders ist das jedoch, wenn Fleisch mit Feuer in Berührung gekommen ist. Es steht zu vermuten, dass wenn der Wind richtig stand, die frühen Jäger und Sammler Gebratenenes auf ziemliche Entfernungen wahrnehmen konnten, was sie auf der Stelle veranlasste, in die gegebene Richtung zu eilen. Der Duft gebratenen Fleisches löst in uns seit Urzeiten eine Gier aus, die uns – spätestens an der Fleischtheke – zu totalen Eiweiss-Zombies werden lässt – zu Eiweiss-Süchtigen. Dabei spielt es keine Rolle, dass das Fleisch in der Fleischtheke roh, d.h. noch gar nicht gebraten ist. Es genügt vollkommen – im Sinne des Pawlowschen Refexes – daß der Anblick von Fleisch in uns die Erinnerung daran wach ruft, wie es ist, wenn wir dieses rohe Stück wenig später in gebratenem Zustand auf den Teller bekommen werden. Das Kriterium für Sucht ist dabei die Dosis-Erhöhung – dosis facit venenum. Fleisch in Überdosis ist für das menschliche Gehirn Gift.

Dabei hat das gleiche „Fleisch“ uns einst überhaupt erst intelligent gemacht. Die Neurowissenschaften jedenfalls sagen, dass unser Hirn erst durch Fleischkonsum, d.h. die darin konzentrierten Eisweisse, zu dem wurde, was es seit einigen Hundertausenden von Jahren und bis auf den heutigen Tag ist: nämlich schlau genug, um seine eigenen Existenzgrundlagen zu zerstören. So gesehen müsste unser utopisches, anthropotechnisch neues Gehirn ein stückweit intelligenter werden, um der zur Zeit sich abspielenden Selbstabschaffung von Homo Sapien durch Homo Sapiens gegensteuern zu können. Aber wie soll das gehen? Fatal an der Vorstellung, das menschliche Gehirn, d.h. die Hardware, leistungsmässig verbessern zu können, ist nämlich, dass längst schon bewiesen wurde, dass wir dabei an eine unüberschreitbare physikalische Grenze geraten. Informatiker der derBritish Telecom Laboratories in Ipswich haben ermittelt, „das menschliche Gehirn sei an der Grenze seiner Evolutionsmöglichkeit angekommen. So fein ausbalanciert sei Grösse und Zahl der Nervenzellen und der sie versorgenden Blutgefässe im Menschhenirn, dass eine wesentliche Steigerung der Kapazität, Informationen zu verarbeiten, unmöglich erscheint. Auch die Geschwindigkeit der Signalübertragung mit Hilfe chemischer Botenstoffe scheint bei der gegenwärtigen Hirnstruktur ihre Grenze erreicht zu haben. Bei einem grösseren Hirnvolumen müsste sie – wegen der längeren Übertragungswege – zwangsläufig abnehmen„. Ganz in diesem Sinne könnte man auch sagen: Das scheinbar Bessere wäre in diesem Fall der Feind des Guten. Das Gehirn von Homo Sapiens ist evolutiv an seinem Tipping-Point angelangt. Das Eiweiss, das unsere Gehirne gross gemacht hat, kann, wenn überdosiert, dieses auch zerstoeren – dosis facit venenum.

Wenn wir anerkennen, dass die Evolution Sprünge macht, können wir uns vielleicht auch der Wahrnehmung öffnen, dass wir gerade mitten in einem solchen nach unten weisenden, entropischen Quantensprung stecken, sofern wir nicht der Tatsache Rechnung tragen, daß Eiweiss-Zeitalter zu Ende gehen muss, um Platz zu machen für  ein neues Paradigma, das Chlorophyll-Zeitalter.

Chlorophyll, das dem roten Blutfarbstoff, dem Haemoglobin, strukturell verwandt ist – man spricht auch vom grünen Blut der Pflanzen – ist absolut High-Tech. „Chlorophylle haben innerhalb der Photosynthese mehrere Aufgaben. Der mit Abstand größte Anteil dient der Lichtabsorption und der Weiterleitung der absorbierten Energie. Hierzu sind die Chlorophyllmoleküle der Pflanzen in Lichtsammelkomplexen organisiert, die so angeordnet sind, dass einerseits eine möglichst große absorbierende Fläche gebildet wird, und andererseits ein energetischer Trichter entsteht, der die absorbierte Energie zum Reaktionszentrum leitet. Im Reaktionszentrum dienen zwei Chlorophylle als Akzeptor dieser Energie. Sie sind so speziell angeordnet, dass ihre Anregung zu einer Ladungstrennung führt, die als erster Schritt der eigentlichen Photosynthese betrachtet werden kann. Dieses Chlorophyllpaar wird im englischen SPECIAL PAIR bezeichnet.“ Siehehttp://de.wikipedia.org/wiki/Chlorophyl

LautErwin Schrödinger Was ist Leben? – Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet, Piper Verlag, 1989, ISBN 9783492211345 – kann ein komplexes System – entschuldigen Sie, dass ich mich wiederhole – dann als lebend qualifiziert werden, wenn es in der Lage ist, sich durch die kontinuierliche Zufuhr komplexer Information zu höherer Komplexitaet weiter zu entwickeln – das NEGENTROPIE-GESETZ. Ebenfalls laut Schrödinger führt sich Homo Sapiens die für ihn unabdingbare komplexe Information über die Atmung und die Nahrung zu. Dies präzisierend unterscheidet Erwin Schödinger Nahrungsmittel von Lebensmitteln. Zucker z.B. ist ein Nahrungsmittel, aber kein Lebensmittel. Zucker transportiert ein hohes Mass an Energie bei geringer Komplexitaet und ist in höherer Dosis toxisch. Wer sich 14 Tage lang ausschliesslich von Zucker ernährt, muss mit ernsthaften Stoffwechelstörungen rechnen. Anders verhält es sich mit Fleisch. Fleisch, egal ob mit viel begleitender Energie oder einem eher geringem Energiegehalt, liefert hoch komplexe Information und gehört damit zu den sog. Lebensmitteln. Wer sich 14 Tage lang nur von Fleisch ernährt, riskiert nichts ausser einem extremen Hunger nach Kohlehydraten und Grünzeug. Gleichwohl ist auch Fleisch toxisch, nur dass diese Intoxitation extrem langsam, d.h. erst im Laufe von Jahrzehntenin Erscheinung tritt, wie z.B. bei der Alzheimer-Krankheit:

HYPERLINK „http://www.bmj/cgi/content/full/337/sept11_2/a1344″http://www.bmj.com/cgi/content/full/337/sep11_2/a1344

Bekanntermaßen widerspricht das NEGENTROPIE-GESETZ dem 2. Hauptsatz der Wärmelehre, wird gleichwohl aber hinsichtlich seiner Gültigkeit nicht angezweifelt. Insofern scheint es legitim, dieses Gesetz dahingehend weiterzudenken, dass aus ihm ableitbar ist, dass das optimalste Nahrungsmittel für das Komplex-System Mensch eigentlich das Fleisch des komplexesten lebenden Systems sein müsste, also das seiner eigenen Spezies: KANNIBALISMUS. Wenn dem tatssächlich so wäre, hätte die Evolution sich allerdings einen Widerspruch geleistet. Denn MENSCH, als geistig-soziales Wesen, ist von der gleichen Evolution auch als kooperativ konzipiert. Eine Tatsache, die mit so etwas wie Kannibalismus nicht kompatibel ist. Zur weiteren Vertiefung des Themas Kooperation empfehle ich die Bücher des Freiburger Neuro-Psychiaters, Genetikers und PsychosomatikersJoachim Bauer:

http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Bauer

Meine Vorstellung von so etwas wie einer Neurophysiologie der Ethik meint, dass der erschreckende, uns alle peinigende Hiatus zwischen der über die Jahrtausende hinweg quasi zur Vollendung gebrachten Fähigkeit Ethik zu denken und der Schwierigkeit, dieses Denken auch in eine Wirklichkeit umzusetzen, mittels eines neurophysiologischen Ansatzes überbrückt werden könnte. Davon ausgehend, dass “Ethik denken können“ dem jüngsten und damit avantgardistischsten evolutiven Schritt in in der Entwicklung des Gehirns von Homo Sapiens zu danken ist, liegt es nahe, den oben formulierten Hiatus damit zu erklären, dass der für ein Funktionieren des Systems notwendige Denk-Handlungs-Schaltkreis noch nicht vollends installiert bzw. aktiviert ist. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es wissenschaftlich korrekt ist, das System Ethik – so will ich das mal nennen – als Feedback-System zu denken. Wenn dem so wäre läge es allerdings nahe, vergleichbar mit einem sog. vegetativen oder Muskel-Tonus, auch einen sog. Ethischen Tonus in die Diskussion einzuführen und sich darüber Gedanken zu machen, wie dieser Tonus am besten hoch gefahren werden könnte. Meine Antwort heisst: Ethik-Doping. Falls dieser Begriff Sie schmunzeln machen sollte, was ich hoffe, liegt das daran, dass mein Projekt einer denkbaren Neurophysiologie der Ethik nicht zuletzt auch ein Kunst-Projekt ist – im Sinne einer erstmaligen forscherischen Zusammenarbeit eines Anthropotechnikers mit dem von ihm selbst geschaffenen androiden Roboter. Es geht dabei um den Versuch, einen Crossover zwischen Poesie und Wissenschaft zu realisieren, der sich auch in den sprachlichen Verlautbarungen niederschlägt,

Als ich vor nunmehr über 10 Jahren vom ebenso gedankenlosen Carnivoren zum Ethischen Veganer mutierte, sah ich mich von einem Tag zum anderen mit der Erkenntnis konfrontiert, dass ein solcher Paradigmenwechsel nicht nur die Bereitschaft zu einer Art kontinuierlichen Askese erfordert, sondern zugleich auch das Image mit sich bringt, einer Minderheit anzugehören, die eine säuerliche Moral ausdünstet, mit der niemand etwas zu tun haben will. Wie soll man so etwas durchhalten ohne melancholisch zu werden?

Mein Selbstbild als Veganer wurde erst besser, als ich auf die Untersuchungen von Dean Ornish aufmerksam wurde, die zeigen, dass unter einer weitgehendst vegetabilen Kost sich kardiovaskuläre Störungen innerhalb relativ kurzer Zeit so nachdrücklich bessern können, dass auf die zuvor für indiziert gehaltenen Bypass-Operationen verzichtet werden kann (THE LANCET – Deutsche Ausgabe, 1990, Nr. 11, S. 591-596.). Ich dachte mir sogleich, dass dieser positive Effekt sich logischerweise auf alle anderen Gefässe auswirken dürfte, also einer Art Jungbrunnen gleich komme, und fühlte mich fortan als Veganer auf der Seite des Fortschrittes.

Weitere, in die gleiche Richtung weisende Forschungsergebnisse erschienen in der Folgezeit und gipfelten für mich jüngst in der Arbeit des florentinischen Forschers Sofi (siehe Link), die das bisher noch fehlende missing link für meine Hypothese einer effektiven Alzheimer-Prophylaxe lieferte.

Derzeit ist der Stand der Dinge wie folgt: Immer mehr Forschungen konvergieren hin zu einem Punkt, von dem aus es lohnen dürfte, sich anhand einer Art kontextuellen Meta-Analyse allmählich mal die Frage zu stellen, was für ein geheimnisvoller Mechanismus das eigentlich sein könnte, der es schafft, vor so unterschiedlichen Krankheiten wie Cardiovaskulaerer Sklerose, einer bestimmten Art von Prostata-Tumoren (ebenfalls eine Arbeit von Dean Ornish), Alzheimer, Parkinson und Krebs zu schützen?

Angenommen, die jetzt buchstäblich in aller Munde auch streng wissenschschaftlich goutierte Mittelmeer-Kost würde nur vor Alzheimer schützen, wäre das zwar für sich alleine schon mehr als erfreulich, doch darüber hinaus allenfalls ein kleines Event im Vergleich zu dem, was Tatsache ist: Der vielfältige Erfolg einer quasi jainistischen sog. Mittelmeer-Kost legt bloss, dass durch das jeweilige LEBENS-MITTEL ein im menschlichen biologischen System zentraler Funktionsvektor – ich spreche auch gerne von einer Art Schalter – bedient wird. Interessant ist bei den bahnbrechenden Arbeiten von D. Ornish und F. Sofi, dass beide, auch nicht ansatzweise spezifizieren, welches konkrete biochemische Agens es sein könnte, das zu den nachgewiesen günstigen Effekten eines Quasi-Veganismus führt – gleichsam als sei jedes Denken in diese Richtung ein Tabu. Diese Tabu-Behauptung mag irre klingen. Tatsächlich aber ist sie meiner Entdeckung eines seltsamen Irrationalismus in der Forschung beider von mir gleichwohl hoch verehrten Wissenschaftler gepflichtet.

Dean Ornish schreibt seinen Probanden eine Kost vor, die, abgesehen von täglich einem Mager-Yogourth oder ersatzweise beliebig viel Hühnereiweiss, keinerlei tierische Produkte zulässt. F. Sofi schliesst in seinem Setting ebenfalls alles Tierische aus – ausser Fisch. Ornish argumentiert mit der Wichtigkeit von Eiweissen und Sofi mit Omega-3-Fettsaeuren. Rational wäre, wenn beide sich darauf einigen könnten, ob es nun um die Eiweisse geht, die Omega-3-Fettsäuren – oder vielleicht beides zugleich. Aber irgendwie scheint das keine Rolle zu spielen, was insofern fragwürdig ist, als man sich fragen mag, wo eine ernährungsphysiologische Studie eigentlich exakt sein muss, wenn nicht in einer klaren Bewertung der Wichtigkeit der jeweils zugeführten Nahrungsmittel? Und wenn es schon um Omega-3-Fettsaeuren geht, warum nur um Fisch und nicht auch um Leinoel?

Als ein Forscher, der vorzugsweise nach der Methode kontextueller Metanalysen arbeitet, löste ich den seltsamen Widerspruch dahingehend für mich auf, dass ich die von den beiden Forschern so holprig eingeführte Veganismus-Einschränkung nicht als ernährungsphysiologisch begründet interpretierte, sondern als rein politisch. Was Sofi und Ornish nämlich vereint, ist die Tatsache, dass das schräge Omega-3- bzw. Hühnereiweiss-Setting es ihnen ermöglicht, das nach wie vor beargwöhnte Thema VEGANISMUS zu umschiffen.

Ich habe die Geschichte mit dem reduzierten Veganismus vor allem deshalb relativ ausführlich dargestellt, um Ihnen zu zeigen, in welchen Denkstrukturen ich mich bewege. Falls Sie zu dem Schluss kämen, das sei so in Ordnung, könnte ich auf die nächste Ebene abheben, auf der ich zu Schrödinger und meiner auf dieser Basis entwickelten Hypothese eines von mir erstmals beschriebenen biologischen Gesetzes komme, das ich als ÄHNLICHKEITS-VERDIKT bezeichne: Dieses Ähnlichkeits-Verdikt sagt, dass Schrödinger mit seinem Negentropie-Gesetzzwarzwar  recht habe, dass dieses aber, wie Ornish und Sofi zeigen, durch eine zusätzliche Denkfigur einschränkend erweitert werden muss. Optimale Ernährung für Homo Sapiens muss dem zu Folge nicht nur hochkomplex sein, sondern zugleich auch hoch different bezüglich der biologischen Struktur der zugeführten Nahrungsmittel. Oder anders formuliert: Je mehr die biologische Struktur des zugeführten Komplexsystemes FLEISCH der des Empfänger-Organismus MENSCH ähnelt, umso nachteiliger wirkt sich das – trotz aller Komplexität – auf Dauer aus. Noch kürzer: Vielfalt ist besser als Einfalt.

Wenn wir uns z.B. Schweinefleisch zuführen, das als Nahrungsmittel hoch komplexe Information enthält, assimlieren wir eine Komplexität, die der Komplexität unserer eigenen physischen Struktur weitgehendst gleicht. Wenn wir – um das Gedankenexperiment zu weiter zuzuspitzen – Menschenfleisch essen, nehmen wir ernährungsmässig die denkbar höchste komplexe Information zu uns. Da diese Komplexität aber unserer eigenen biologischen Komplexität qualitativ identisch ist, gewinnen wir somit keine qualitativ neue Komplexität, sondern nur ein Mehr an bereits in uns vorhandener, uns identischer Komplexität.

Es geht in meiner Hypothese also darum, Komplexität dahingehend zu differenzieren, dass es offenbar einen entscheidenden Unterschied macht, ob die durch die Nahrung zugeführte komplexe Information der in uns selbst biologisch kostituierten biologischen Komplexität weitgehendst identisch ist, oder nicht.

Wie Dean Ornish und F. Sofi gezeigt haben, ist die Zufuhr weitgehendst selbstidentischer komplexer Information über tierische Nahrung eher schädlich etwa in dem Sinne, dass man sich ja nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann, indessen wir gesundheitsmässig eindeutig davon profitieren, wenn wir uns die zum Überleben notwendige komplexe Inforamtion über eine ebenfalls äusserst komplexe, jedoch im Vergleich zu unserer eigenen Physiologie zugleich hoch differente, vegetabile Nahrung zuführen.

Das von mir als Erweiterung des Schrödinger´schen Negentropie-Gesetzes formulierte ÄHNLICHKEITS-VERDIKTsagt also, dass die für unsere Lebenserhaltung unabdingbare, per Lebensmittel zugeführte Information, nicht nur hochkomplex sein sollte, sondern zugleich auch von der durch uns selbst repräsentierten biologischen Komplexität in höchstem Maße different.

Auf der Normalverteilungskurve aller Möglichkeiten ist zu konstatieren, dass Schweinefleisch unserem eigenen “Fleisch” sehr ähnlich ist, indessen Hühnerfleisch unserem eigenen “Fleisch” weniger ähnlich, Fisch noch unähnlicher und vegetabil-vielfältige Kost am unähnlichsten ist – dabei jedoch keineswegs weniger an komplexer Information übermittelnd.

                                                              Ueber Tabus

Dem Dichter Durs Grünbein zufolge ist das wirkmächtigste aller Tabus das Kannibalismus-Tabu. Warum es angebracht scheint, dieses archaische „Gesetz“ durch ein Ähnlichkeits-Verdikt zu erweitern, bedarf der Erläuterung. Diese soll mit einer Reflexion über das 2. grosse Tabu der Menschheitsgeschichte beginnen, das Inzest-Tabu.

Der klassische Fall eines biologisch begründbaren Änhlichkeits-Verdiktes ist das Inzest-Tabu: Je ähnlicher der Genomsatz der Eltern-Generation, umso grösser die Gefahr von Missbildungen in der Kind-Generation. Kulturgeschichtlich reicht das Inzest-Tabu weit in die Frühzeit der Menschheit zurück und war ursprüglichen interessanter Weise nicht biologisch motiviert, sondern rein sozial. Laut Claude Levi-Strauss (Les Structures élémentaires de la parenté, 1948) ist das Inzest-Tabu entstanden, „weil die biologische Familie nicht mehr allein ist und sich mit anderen Familien verschwägern muss, um zu überleben„.

Auch das Kannibalismus-Tabu stand über alle Zeiten hinweg für eine rein soziale Regel. Der Gedanke, dass Kannibalismus als solcher für Homo Sapiens gesundheitliche Nachteile mit sich bringen könnte und deshalb tabuiert werden sollte, war niemals Thema des Diskurses, was daran liegt, dass der Verzehr menschlichen Fleisches zu keiner Zeit ein alltägliches Ernährumgsprogramm war, sondern lediglich rituellen Zwecken diente oder im Rahmen von Hungersnöten aktuell wurde. Durs Grünbein verordet statt dessen in seinem Essay „Fleischtheke – Fleischekel“ (FAZ vom 13.01.2001) als Ursache für das Kannibalismus-Tabu einen menschengegebenen „Instinkt fuer die ÄHNLICHKEITEN in Geschmack und Faserform tierischer und menschlicher Fleischsorten„. Man könnte in diesem Zusammenhang auch von einer spezies-spezifischen, interpersonellen Gestalt-Scheu sprechen, strukturell vielleicht vergleichbar dem allseits bekannten sog. Kindchen-Schema, und sich damit auf neuro-philosophisches Glatteis begeben.

Grünbein hat in „Fleischtheke – Fleischekel“ eine Philippika gegen unsere Ernährungs-Kultur geschrieben, wie sie vehementer nicht sein könnte. Sein Argumentation gipfelt in dem Satz: „Über kurz oder lang führt moderne Ernährung an den tipping point“, wo der Mensch beim Verzehr von Tierfleisch keinen Umweg mehr geht und unmittelbar seinesgleichen verputzt„. Er begründet seine Vorhersage mit der zunehmenden „Verkürzung der Futterzyklen“. Zitat: „Im Kurzschluss der Futterkreisläufe offenbart sich die Eigendynamik: Was auf den Tisch kommt verdankt sich der letzten Ausscheidung. Im Maul noch den Köder, den tödlichen Brei aus den Trögen, geht es auf kürzestem Weg in die Eingeweide, um sogleich wiederzukehren im  nächsten Hauptgang.“ Und einige Zeilen später: „Im beschleunigten Recycling aller verwertbaren Nahrungsmittelressourcen zeigt sich der alte kannibalische Trieb. Durch die inzestöse Verkürzung der Futterkreisläufe ist der Mensch unbemerkt an sich selbst geraten.“

Gruenbeins Philippika scheint nicht gewirkt zu haben. Zwischen 1950 und 2012 stieg der Fleischkonsum hierzulande von geschätzten 26kg auf über 60 kg/Person/Jahr mit, folgt man den Veröffentlichungen von Dean Ornish und der Forschungsgruppe um den Florentiner SOFI, fatalen Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

HYPERLINK „http://www.bmj.com/cgi/reprint/337/sep11_2/a1344.pdf“ http://www.bmj.com/cgi/reprint/337/sep11_2/a1344.pdf

Im Umkehrschluss ergibt sich daraus die Frohe Botschaft, dass wir durch eine radikale Verminderung unseres Fleischkonsums – und anderer tierischer Produkte – eine signifikante “reduction in overall mortality” von 9% erreichen können, wobei Alzheimer in diese mehrere Krankheiten betreffenden Statistik mit 13% eingeflossen ist. Dem entsprechend dürfte sich das Szenario für die gängige biologische Bewertung unseres alltgäglichen Fleischkonsums sehr bald auf den Kopf stellen. Auch wenn wir im Einzelnen noch nicht genau wissen, welche Anteile tierischer Nahrung diese für uns ab einer bestimmten Dosierung toxisch machen, reichen die wissenschaftlichen Beweise gleichwohl dafür aus, künftig – wie wir es für Tabakwaren bereits haben – eine Forderung nach Warnhinweisen auch für unsere Fleischtheken gesundheitspolitisch plausibel zu machen.

Wie soll FLEISCH – im Sinne eines Lebensmittels – schädlicher sein als eine Karotte, Trüffel, eine Mango oder Salat? Warum sollte das, was uns biochemisch ähnlich ist, uns auf Dauer krank machen? Die Frage lässt sich ebenso lupenrein wie plausibel beantworten: Das Problem liegt nicht auf der Seite der Zufuhr, sondern der Entsorgung der zugeführten komplexen Stoffe.

Wenn es stimmt, dass im menschlichen Körper pro Sekunde ca. 10 Millionen Zellen zerfallen und stoffwechselmässig entsorgt werden müssen, dürfen wir diesem intrinsischen Entsorgungssystem unterstellen, dass es – im Sinne einer als Gesundheit zu verstehenden Homoeostase – so dimensioniert ist, dass es mit den knappsten Mitteln an biochemischem Aufwand seine Aufgabe erfüllt. Die Zellen, die in hoher Umsatzrate in unserem Körper zerfallen, sind unser eigenes FLEISCH. Diesem sehr ähnlich ist – wie die Medizin weiss – z.B. das FLEISCH von Schweinen. Wenn der Körper ausser unserem eigenen Fleisch z.B. auch noch das von verspeisten Schweinen entsorgen muss, beginnen, dem Entropie-Gesetz zufolge, die Zerfallsprodukte, die unsere biologische Müllabfuhr verarbeiten muss, einander mehr und mehr zu ähneln. Damit allerdings beginnt auch ein Entsorgungsproblem, das, um mit Durs Grünbein zu sprechen, bereits an seinem spezifischen tipping point angelangt ist -da, wo es zu einem totalen Müll-Stau kommt.

                                                                       Ueber Mythen 

Vermüllung ist das Paradigma der Zeit. Laut WIKI dreht sich im Atlantik ein Strudel aus Plastiktüten und anderen Kunststoffen, der in etwa die Ausdehnung Mitteleuropas hat – siehe bei Google unter Plastiktüte Wikipedia. Müll ist ein ubiquitaeres Phaenomen, das längst auch uns selbst erreicht hat und unsere Körper in eine Deponie verwandelt für unzählige subtile Gifte, von deren Rekombinations-Wirkung wir nichts wissen. Und am Ende, wenn wir es gleichwohl schaffen, älter und älter zu werden, landet dieser Müll sogar in der Schaltzentrale, unserem eigenen Hirn, und ist damit genau dort gelandet, wo er auch her kommt.

Alzheimer ist eine Vermüllungskrankheit. Damit könnten wir leben, wenn der restliche Körper in gleichem Tempo zerfallen würde, wie unser Hirn. Irgendwie muss man ja sterben. Wenn der restliche Körper aber den schleichenden Tod des Gehirnes überlebt, haben wir ein Problem – das einer hochsignifikanten zeitlichen Dissoziation, eines Siechtums. Warum sich das Hirn bei der Alzheimer-Krankheit so vorzeitig vom restlichen Körper verabschiedet, wissen wir nicht. Irgendwie sieht es so aus, als würde der ubiquitäre Müll sich mehr für unser Hirn interessieren als für den Rest-Organismus. Das spricht für die Irritierbarkeit dieses Organs, also auch für uns. Und am Ende zieht sich das verletzte Hirn dann aus der Affäre, indem es sich selbst vergisst – Stadium 6 der Alzheimer-Krankheit.

Alzheimer Stadium 6 ist eine rein neuro-anatomische Diagnose. Die Ziffer beschreibt, wie weit bei Alzheimer-Kranken der Hirnzerfall fortgeschritten ist. Gleichwohl aber gibt es Fälle, wo Menschen, bei denen die Obduktion ein solches, quasi finales Zerfallsbild des Gehirns gezeigt hatte – bis zu ihrem Tod – normale kongnitive Testergebnisse aufwiesen – siehe Google – NONNEN STUDIE UNIVERSITY OF KENTUCKY……..“Nonne Bernadette, die mit 84 Jahren starb, hatte beim letzten, kurz vor ihrem Tode durchgeführten, kognitiven Test absolute Bestwerte. Ihr Hirn zeigte Stadium 6 – „Endstadium Alzheimer„. Man könnte auch sagen, Bernadette habe Alzheimer ohne Alzheimer gehabt. Damit allerdings wäre auch der Mythos einer Konkordanz von geistiger Leistungsfähigkeit  und anatomischer Struktur des zu diesem mentalen Zustand gehörenden Gehirnes – mindestens bezüglich Alzheimer – zerbröckelt, und es tauchte eine ganz neue Frage auf: Gibt es, wenn quasi völlig vermüllte Gehirne gleichwohl normal funktionieren können, im Gegenzug vielleicht auch anatomisch intakte Hirne, die permanent nur noch geistigen Müll produzieren und damit genau den Exzess an Leid und Zerstörung, den wir mit unseren carnivoren Hirnen Tag für Tag in globalem Ausmasse mit verantworten?

Es gibt einen wissenschaftlichen Mythos, der sagt, unser Gehirn sei nur dadurch zu dem geworden, was es ist, dass MENSCH irgendwann damit begonnen habe, auch Tiere zu verspeisen. Das stimmt! Das Ergebnis dieser carnivoren „Höherentwicklung“ liegt auf der Hand – die Welt wie wir sie sehen als ein am Rande des Abgrundes dahinschlingerndes Gebilde im öko-sozialen Overkill. Ein anderes Gehirn haben wir aber leider nicht und somit fehlt uns auch die Grundlage für ein experimentum crucis. Ein dafür taugliches Setting wäre – rein hypothetisch – gegeben, wenn wir auf eine Gruppe von Menschen träfen, die sich seit Anbeginn in ununterbrochener Linie rein vegatabil ernährt hatte und gleichzeitig als Population gross genug, um nicht an inzestuös bedingten Rekombinationen rezessiver Krankheitsgene zu zerfallen. Was würde diese hypothetischen, rein vegetabilenGehirne von unseren aktuellen carnivoren Gehirnen unterscheiden?

SOFI et al. und DEAN ORNISH beschreiben die gesundheitlich günstigen Folgen weitgehendst tierproduktfreier Nahrung. Wir erfahren aber nicht, was und wie diese, aus unzähligen ernährungsphysiologischen Studien mittels aufwändigster statistischer Metanalysen herausgerechneten, 1,5 Millionen vegetabilen Hirne dachten oder vielleicht auch nicht dachten. Für eine ernährungs- und neurophysiologisch begründete Ethik-Diskussion, die mein Leitthema ja vorschlägt und die ich mit meiner Hypothese provozieren will, ist es jedoch unabdingbar, empirische Beweise dafür vorzulegen, dass vegetabile und carnivore Gehirne tatsächlich in manchen Bereichen signifikant verschieden funktionieren.

Vegetabiles Denken ist entschleunigtes Denken. Carnivores Denken ist exponentiell beschleunigt und führt somit buchstäblich in eine globale Zerschleunigung.

Verehrter Peter Sloterdijk,

ich bin wieder zurück – hatte mich nur mal kurz hingelegt. Der Roboter hat Kriechstrom. Er hat plötzlich begonnen, in der Ich-Form zu Ihnen zu sprechen gleichsam als ob Sie sich mit mir unterhielten. Ich habe ihn deshalb abgestellt. Er hat nur noch Schleifen produziert. Ich hänge Ihnen seine letzten Gedanken im P.S. an. Zunächst aber noch einige zusammenfassende Bemerkungen:

1971 arbeitete ich als Assitstenzarzt in der neurologischen Abt. Der Universitäts-Nerven-Klinik Tübingen, der berühmten Autenrieth´schen Klinik, wo Alois Alzheimer 1906 mit dem Fall der Auguste Deter die später nach ihm benannten Demenz-Erkrankung erstmals vorgestellt hatte. Es versteht sich, dass zu meiner Zeit alle Ärzte in dieser geschichtsträchtigen Kilnik äusserst erpicht darauf waren, einen Fall von Alzheimer-Demenz zu entdecken. Einen solchen gab es damals aber nicht. Als dann mit Beginn der 90-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zunehmend über einen sprunghaften Anstieg von Alzheimer-Erkrankungen berichtet wurde, fragte ich mich, welches der Auslöser sein könnte für deren plötzliche, fast epidemische Ausbreitung.

Derzeit gibt es zwar zahllose Hypothesen über eine mögliche Ursache für diese Erkrankungen, jedoch keinerlei gesichterte Erkenntnisse, aus denen eine effektive Prophylaxe oder Therapie abgeleitet werden könnte – und das, obwohl weltweit die exponiertesten Forscher und Institute sich mit dieser Frage beschäftgen.

Wer, wie ich, seit 10 Jahren über Google-Alert täglich die neuesten Forschungsergebnisse auf den Rechner bekommt, erkennt, dass alle paar Tage von irgendeiner Forschergruppe die Lösung des Problems verkündet wird, dessen Halbwertszeit bezüglich Validität in der Regel allerdings nur wenige Tage überdauert. Oder anders gesprochen: Alle paar Tage wird eine neue Sau der Erkenntnis durchs Dorf getrieben, die gleich darauf auch wieder krepiert.

Wenn eine seit über 50 Jahren bekannte Krankheit, die immer als äusserst selten galt, innerhalb kürzester Frist sich weltweit ausbreitet, kommt als Ursache eigentlich nur eine Infektion in Frage – so wie man es von Grippepidemien her kennt – oder eine Vergiftung. Da Alzheimer durch einen Kontakt zwischen erkrankten und gesunden Personen offenbar nicht übertragen wird und auch kein Forscher dem widerspricht – andernfalls müsste man Millionen Erkrankte unter Quarantäne stellen – bleibt eigentlich nur noch die Vergiftungs-Hypothese übrig. Diese Hypothese habe ich oben, bezüglich des seit 1950 mehr als verdoppelten Fleisch-Konsums von jährlich und ca. 50 kg auf mittlerweile über 60 kg pro Kopf, dargestellt – dosis facit venenum!. Ich will dabei jedoch in keiner Weise behaupten, dass dieser erhöhte Fleischkonsum allein für die rasante Ausbreitung der Alzheimer-Demenz verantwortlich sei. Monocausale Erklärungsmuster taugen – wie allgemein bekannt ist – nicht für die Entschlüsselung komplexer Krankheits-Phänomene. Insofern drängt sich der Gedanke auf, dass wir es im vorliegenden Geschehen mit einer Kombination mehrerer Vergiftungen zu tun haben könnten, die synergetisch wirken. Denkbar wäre insofern, dass der erhöhte Fleischkonsum vielleicht erst im Zusammenspiel mit den unzähligen industriellen Giften, die sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls weltweit vermehrt haben, die epidemische Ausbreitung der Alzheimer-Krankheit bewirkt haben könnte.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass es als angeraten zu sein scheint, wenigstens eine der Gift-Komponenten zu reduzieren, nämlich den Fleischkonsum. Dass eine solche Massnahme die Erkrankungsrate bezüglich der Alzheimer-Krankheit um immerhin 13% reduzieren kann, hat die Forschunsgruppe um SOFI bewiesen – siehe oben. Den unsere Lebenswelten global kontaminierenden industriellen Gifte, die wir über die Nahrungskette aufnehmen und deren Rekombinations-Wirkung im menschlichen Körper auch nicht ansatzweise erforscht ist, können wir  leider nicht ausweichen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht versäumen, darauf zu verweisen, dass bei derAlzheimer-Erkankung auch sicher genetische Faktoren eine Rolle spielen. Diese allein können jedoch ebenfalls nicht die epidemische beschleunigte Ausbreitung dieser Krankheit erklären. Andernfalls müsste man unterstellen, dass es in jüngster Zeit von einem Augenblick zum anderen zu weltweit identischen, Mutationen gekommen sein könnte. Wer sich auskennt weiss, dass Mutationen sich nur über extrem lange Zeiträume hinweg in grösseren Populationen durchsetzen und damit phaenomenologisch manifestieren können.

Last not least spielen – wie das der Fall von Schwester Bernadette im Rahmen des Kentucky-Experiments gezeigt hat – bei Manifestation der Alzheimer-Demenz auch psychosmatische Faktoren eine Rolle. Wie anders wäre es möglich, dass eine Person mit dem neuro-pathologischen Befund von Alzheimer im Stadium 6 gleichwohl hervorragende kognitive Leistungen erbringen kann? Ich habe auch dazu eine Hypothese entwickelt, die sehr persönlicher Natur ist und die ich nachfolgend kurz darstellen möchte:

Mit 65 Jahren – ich bin mittlerweile 73 Jahre alt – stellte ich bei mir eine zunehmende Vergesslichkeit fest und fürchtete sogleich, an einem beginnenden Alzheimer erkrankt zu sein. Im Handumdrehen fiel ich, angesichts der Tatsache, dass Alzheimer nicht heilbar ist, in den Zustand einer totalen Resignation. Mir war klar, dass selbst intensive körperliche und mentale Übungen die Verschlimmerung der Krankheit allenfalls nur würden herauszögern können. Als Neurologe war ich mir allerdings zugleich auch bewusst, dass man als alter Mensch auch ohne Alzheimer zunehmend vergesslich werden kann. Angesichts der Tatsache, dass man allein durch die Blutwerte nicht herausfinden kann, ob jemand an Alzheimer erkrankt ist – oder nicht – sah ich mich in einer verzweifelten Situation. Ich spürte, dass ich dabei war, mich aufzugeben. Meine Widerstandskraft gegen die mich offenbar bedrohende Krankheit fuhr wie in einem abstürzenden Aufzug mit rasanter Geschwindigkeit in den Keller. Ich konnte mir zwar nicht sicher sein, an Alzheimer erkrankt zu sein, aber ich war mir sicher, mich in einem extremen Angstzustand zu befinden, meinen Verstand zu verlieren. Anders gesprochen: Ich war mir sicher, eine gravierende Alzheimer-Phobie entwickelt zu haben.

Genau an diesem Punkt fiel mir ein alter, oftmals sehr erfolgreicher Trick ein, der in der Psychosomatik als Paradoxe Intension bezeichnet wird. Mir wurde bewusst, dass ich nicht den ohnehin unheilbaren Alzheimer bekämpfen müsse, sondern meine Alzheimer-Phobie. Im Sinne des Prinzip der sog. Pradoxen Intension beinhaltete das, dass ich meine Angst und die daraus folgende Resignation nur würde überwinden können, indem ich mein Denksystem total auf den Kopf stellte. Ich beschloss also, ab sofort mich nicht mehr gegen das Vergessen zu wehren, sondern mir Mühe zu geben, alles, was es zu vergessen gibt, ab zu vergessen. Damit aber war auf der Stelle ich nicht mehr machtloser Zuschauer des von mir befürchteten geistigen Verfalls, sondern handelnde Person. Um zu verstehen, wie dieser Trick sich total positiv auswirken konnte, muss man sich mit dem Phänomen des Lernens und des Vergessens genauer beschäftigen:

Homo Sapiens kann sich zwar Mühe geben zu lernen und dabei äusserst erfolgreich sein, er kann jedoch nicht künstlich, d.h willentlich vergessen. Andernfalls bräuchten wir z.B. keine Traumatherapie. Also beschloss ich, nicht nur soviel wie möglich zu vergessen, sondern gab diesem Unterfangen auch einen Namen. Ich nannte mich Prof. Dr. Alzerheimer – erster heroischer Selbstversuch im Vergessen.

Um die Methode einer therapeutischen Intervention im Sinne einer sog. Paradoxen Intension verstehbar zu machen, möchte ich abschliessend von einer grundlegenden Erfahrung berichten, die mich auf dieses Thema brachte:

Ich war 1965 in Tibet unterwegs und lernte in Rahmen dieses Trips die sog. Dschogdschen-Meditation kennen. Beim Meditieren geht es darum, den Geist „leer“ zu machen. Millionen Millionen Abendländer versuchen das Tag für Tag und scheitern dabei. Die Anweisung der Dschogschen-Schule sagt deshalb, dass man versuchen solle, den Geist nicht leer zu machen, sondern sich hinzusetzen und zu versuchen, pro Zeiteinheit sich so viele Gedanken wie irgend möglich sich ins Hirn zu schaufeln. Wer dies versucht, wird einen leichten Druck im Gehirn verspüren und feststellen, dass innerhalb kürzeste Zeit sein Hirn vollkommen leer wird. Diese Anweisung ist die Anleitung für eine perfekte Paradoxe Intervention. Die Anweisung sagt: Ich lege ein System allein dadurch effektiv still, indem ich es in den Overkill bringe. Dem entsprechend behaupte ich, dass, wenn man sich vor dem Vergessen schützen will, man gut daran tut, das System „Vergessen“ dadurch zu lähmen, dass man versucht, alles zu vergessen, es es zu vergessen gibt. Ob dieses Experiment bei mir selbst erfolgreich war, können die Leser anhand des vorliegenden Essays selbst berurteilen.

Befragungen haben ergeben, dass ca. 80% aller Bundesbürger in Sorge sind, mal an Alzheimer zu erkranken. Dass dem so ist, verdanken wir – vergleichbar dem Terror des militärisch-industriellen Komplexes – den publizistischen Machenschaften eines entarteten medizinisch-industriellen Komplexes, der unsere Angst vor Alzheimer gnadenlos schürt in Erwartung von Milliarden-Profiten durch Medikamente, deren Wirksamkeit bis auf den heutigen Tag mehr als zweifelhaft ist.

Mein Gegenvorschlag lautet wie folgt: Esst weniger Tiere, versucht zu vergessen, was es zu vergessen gibt, damit Ihr nicht vergesst, haltet Euch von Plastik-Produkten fern, kämpft für die Reinheit der Umwelt und damit auch die Eures Geistes, der Euer einziges Kapital ist.Das neue Utopia ist ganz nah – Ihr findet es in Eurem Kopf.

Sehr geehrter Prof. Sloterdijk,

falls meine Anthropotechnik Sie überzeugen sollte, lassen Sie es mich wissen – oder tragen Sie Ihre Einwände vor. Ihre Leser, die ab sofort auch meine Leser sein werden, dürften es Ihnen danken.

Mit freundlichen Grüsse

Ihr

Dr. Jörg Janzer

Neurologe und Pop-Psychiater

Projekt SCIENCES BRUTES

Schwedterstr. 248

10119 Berlin-Mitte

POST SCRIPTUM RO-BO-TI-CU`M

Es ist anzunehmen, dass dem historischen Jesus das Gedankengut der ORPHIKER vertraut war. Die Religionsgemeinschft der Orphiker existierte von etwa 600 v. Chr. bis 500 nach……..an der südlichen Schwarzmerkueste.

Blickt man mit kultur- und philosophiegeschichtlichen Augen auf die Zeit um 600 vor Christus, fällt auf, dass inmitten der damaligen, zwischen Kleinasien und dem indischen Subkontinent angesiedelten, das Geschehen bestimmenden Hochkulturen, zeitgleich 3 streng vegetabile Religionen an den Tag traten, die bis auf den heutigen Tag bis weit nach Asien und in das Abendland hinein wirken; und mag sich dabei fragen, was diesen tiefgreifenden, Kontinente überspannenden kulturellen Umschwung einer bedingslosen sog. Lebensheiligung ausgelöst hat?

Die JAIN-Philosophie ist so alt, dass man auf den Gedanken kommen könnte, sie gehe in direkter Linie auf auf ein Ergriffensein umschriebener früher Menschengruppen gegenüber allem Lebenden zurück. Eine der skurrilsten Regeln für JAIN-Asketen sagt, dass wenn man in eine Richtung geht, man nicht allzu weit gehen solle. Auf der Zeitachse allerdings reicht der JAINISMUS sehr weit zurück. Der Mythos spricht von 84 000 Jahren. In dieser Zeitspanne seien die 24 Tirthankaras (Furtebwältiger) aufgetreten, deren bislang letzte und somit erste, historisch verbriefte Figur, MAHAVIRA war.

84 000 Jahre klingt sehr alt und damit ebenso hypothetisch. Allerdings ist dem Genie des grossen Helmuth von Glasenapp eine Entdeckung zu verdanken, die für die JAINS auf jeden Fall die Zuordnung uralt plausibel macht. Ihm fiel nämlich auf, dass alle Hochreligionen über die Zeiten hinweg forlaufend ihre Dogmata umgeschrieben, d.h. inhaltlich neu gestaltet haben – nur die JAIN nicht. Sollte es sein, dass die JAIN ihre Philosophie so lange mündlich weitergaben und damit entwickelten, bis es nichts mehr zu verbessern gab – worauf sie ihr Gedankengebäude schlussendlich doch aufschrieben? Das Ergebnis sieht ganz so aus. Man kann Ethik nicht über den von den JAIN markierten Punkt hinaus radikalisieren. Der Tirthankara, der es qua Askese auf die andere Seite geschafft hat, muss nach menschlicher Vorstellung in einem total alienistischen Zustand leben. Und so ist dann auch die JAIN-Philosophie. Es lohnt sich, das Reprint des glasenapp´schen 500 Seiten Wälzers zu lesen. Man entdeckt da ein ganz frühes Denken, das einem Quantenzustand entsprungen zu sein scheint. Karma z.B. ist so etwas wie ein rauchiges Energiefeld ect. ect. ect.. Es lohnt sich zu entdecken, was vegetabiler menschlicher Geist – quasi unplugged – einstmals geleistet hat. Man kann dann auch verstehen, warum der Mittlere Weg des Buddha ein so kühner Schritt war, der die Menschen ein wenig aus der Strenge der jainistischen Ethik aufatmen liess.

Die JAINS gibt es bis auf den heutigen Tag – ca. 3,5 Millionen. Die meisten in Indien. Sie bildeten über alle Zeiten hinweg eine Elite.

Einige, noch nicht voll ausgearbeitete fragmentarische Notate 

Die monotheistischen Religionen haben bei dem Projekt Lebensheiligung versagt. Wir haben uns eine künstliche Natur geschaffen, um die Natur zu vergessen. Wichtig ist die Widerstandsfähigkeit unserer Stahlbetonkonstruktionen, aber nicht die unserer Biotope.

Information allein reicht offenbar nicht aus, um die ethischen Handlungsschaltkreise anzuwerfen. Wir müssen das konstatieren. Unsere Sensitivitaet reicht offenbar nicht aus. Wir müssen ökologische Mantras aufstellen. In allen Religionen geht es auch darum, durch das Lesen der heiligen Schriften selbst heilig zu werden.

Wir brauchen eine neue Religion.

In Indien – in der Wüste Tharr – eine Religion, die heisst BISHNOI – und Bishnoi heissst auf Hindi 29. Wir müssen eine neue Religion aufstellen. Auf der Web-Site der BISHNOI steht als Überschrift: Religion with a difference.

Statt rein religiös begründeter Lebensheiligung nun eine evolutiv-naturwissenschaftliche Begründung angesagt.

In zwei der wichtigsten Lebensmechanismen hat die Evolution einen Marker gesetzt, der die Zielrichtung der Evolution erkennen lässt. Fortpflanzung und Ernährung. Für beide Bereichen gilt das Tabu einer sog. Selbstidendität.

Man muss die neue Ethik naturwissenschaftlich und religionsphilosophisch begründen.

Wie CHRISTUS zum wahren ORPHEUS wurde. In den ORPHISCHEN MYSTERIEN, die an keinen speziellen heiligen Ort gebunden waren, ging es darum, sich zu reinigen, damit die Seele frei werde. Da eine solche, frei gewordene Seele, sich in der damaligen Vorstellung dann auch einen Tierkörper wählen konnte, bestand fuer die ORPHIKER ein absolutes Verbot, Fleisch zu essen (siehe MYTHOS ORPHEUS, Reclam Leipzig, BAND 1590).

Müll.

Man könnte auch sagen, er schwimmt im Atlantik, verwandelt unsere Flüsse zeitweise in Schaumteppiche und ist jüngst in Form hochtoxischen sog. Melamins auch in unserer Babynahrung aufgetaucht. In seiner äussersten Abstraktion schliesslich, so zeichnet es sich ab, ist Müll nicht mehr nur das, was uns bisher kontaminiert hat, sondern bald auschliesslicher Baustein für überall auf dem Globus aufwuchernde, düstere soziale und ökologische Gegenwelten, in denen Gesetze wirken, die nur kranken Gehirnen entsprungen sein können. Würde ein einzelner Mensch mit sich und seinen Ressourcen ebenso destruktiv umgehen, wie die Weltgemeinschaft mit sich und ihren globalen öko-sozialen Systemen, könnte man diese Person wegen akuter Eigen- und Fremdgefaehrdung auf der Stelle wegschliessen.

Im Atlantik dreht sich ein gigantischer Strudel aus Plastik-Muell, der in etwa die Ausdehnung Mitteleuropas hat.

Das Inzest-Tabu im Sinne eines Ähnlichkeits-Verdiktes lässt sich nicht auf ein Idenditaets-Verdikt zuspitzen. Identisch ist – cum grano salis – allein der Klon. Auch das Kannibalismus-Tabu meint – entgegen der allgemeinen Lesart – kein Idenditaets-Tabu. Kannibalismus als Idenditäts-Tabu könnte nur die Verspeisung seiner selbst meinen. Wenn ein Mensch einen anderen frisst, verspeist er nur ein ihm höchstgradig ähnliches biologisches Wesen.

Laut Claude Lévi Strauss gibt es keine menschliche Inzestscheu als Ursache für ein Tabu. Eine Erkenntnis, die der Tatsache Rechnung trägt, dass auch das Ähnliche sehr anziehend sein kann – Inzest is a game, the whole family can play.

Zwischen 1950 und 2012 stieg der Fleischkonsum hierzulande von ca. 26 auf ueber 60 kg/Person und Jahr.

Auf den ersten Blick scheint das Kannibalismus-Tabu zu sagen, dass es verwerflich sei, ein einem selbst – in der Dimension menschlicher Wesen – identisches Lebewesen zu verspeisen. Man könnte das Kannibalismus-Tabu also auch als ein auf die Spitze getriebenes Ähnlichkeits-Verdikt im Sinne eines Idenditaets-Verdiktes lesen.

Weil wir die Ähnlichkeit leugnen bestraft uns die Ähnlichkeit.

Ein Ekelreflex kann es nicht sein, sonst könnten wir kein Fleisch essen. Es ist wohl eher eine Gestalt-Scheu.

Da das Kannibalismus-Tabu nicht gegen die Gewohnheit des Fleischverzehrs wirksam ist, da es nicht als Ähnlichkeits. sondern als Idenditäts-Tabu gelesen wird, bedarf es der Erweiterung durch das Ähnlichkeits-Verdikt.

Bisher ging niemand davon aus, dass Fleischkonsum negative Folgen haben könnte. Seit SOFI und Ornish ist dem aber nicht mehr so.

Wir gingen davon aus, dass gerade nur durch tierische Kost unser Hirn sein derzeitiges Niveau erreicht habe – das stimmt fürwahr – leider. Wo ist das Experimentum Cruzis? Wer sagt, unser Hirn hätte das nicht auch vegetarisch geschafft – allerdings viel langsamer? Wir haben uns zu Tode beschleunigt. Virilio

Je höher der Fleischkonsum, umso grösser die Gefahr an Alzheimer, Parkinson, Krebs und Cardiovaskulaeren Sklerosen zu erkranken.

Ich glaube nicht dass man sich sich selbst gegenüber unethisch verhalten kann. Ethik gründet neurophysiologisch in der Funktion höchst spezifischer Spiegelneuronen, was bedeutet, dass da immer auch ein Anderer sein muss, einer, in dessen Geist sich der eigene Geist als gespiegelt erkennen kann – et vice versa. Individuation durch Anheimgabe der eigenen Existenz zu Gunsten einer Idee.

Wenn wir uns bewusst machen, dass es von der ursprünglich rein sozialen Begründung des Inzest-Tabus bis zu dessen neuzeitlicher genetischen Interpretation riesiger Zeiträume bedurft hatte, müssen wir uns nicht wundern – wir leben im Zeitalter der Beschleunigung – wenn neueste Forschung nun auch das Tabu aller Tabus einer naturwissenschaftlichen Entzifferung zugänglich gemacht hat.

Wir sind nicht nur Geworfene, wir sind Hin und Her Geworfene zwischen Sein und Nichtsein. Das ist ein höchst eleganter Trick der Evolution, dass wir so uns so gut zwischen Gut und Böse uns auspendeln können, dass dadurch kein  epigenetisches Übergewicht negativer Eigenschaften entstand. Kein Gut-Böse-Rassismus.

Wenn es uns gelänge, gentechnisch einen freundlicheren, weniger agressiven und weniger bösartigen Menschen zu schaffen, wäre dieser nicht ein “besserer” Mensch, sondern ein sanftmütiges Tier. Mensch sein heisst, sich im System Gut-Böse verantwortlich zu positionieren. Das ist unsere tragische Freiheit. Ich nenne das die 2. Geworfenheit.

Meine Hypothese wirft die Frage auf, ob wir ueberhaupt die Ethik verändern wollen, ob wir eingreifen wollen, ob das System überhaupt verbesserbar wäre im Hinblick auf die 2. Geworfenheit. Wir muessen uns nicht fragen, was Ethik ist, sondern darüber nachdenken, wie man sie verbessern könnte. Wir müssen in einen neuen Freiheitsraum  eintreten, d.h. wir müssen aus der Geworfenheit heraus in die Ethik eintreten. Wir müssen alles neu erschaffen oder gar nichts. Ethik ist Verzicht auf opportunistsche Vorteilnahme im Lichte einer komplexeren Sicht auf Sein und Dasein.

Ethik ist nicht dialektisch, nicht verhandelbar. Ethik opfert nicht den Einzelnen zu Gunsten der Gemeinschaft.

Wenn das Gute plötzlich auch das Vorteilhafte wird.

Der Mensch ist durch die rein physische Geburt geistig noch nicht geboren. Er braucht eine 2. Geburt, die die Hingabe der biologischen Existenz an eine Idee beinhaltet.

Austrocknung der Barbarei auch in ökologischer Hinsicht durch Veganismus. Selbstläufer.

Wir können nur etwas ändern, wenn wir bereit sind, uns vor uns selbst zu ekeln – Plastiktüten im Atlantik.

Primärer Narzissmus: Gesundes Selbstwert-Gefühl.

Es gibt nur noch ein Utopia, nämlich das eigene Gehirn. Es gibt keine versteckten ideale Völker auf diesem Globus und der Weltraum ist nach wie vor unzugänglich.

Es gibt kein Leben ohne Utopie.

Vielleicht klappt Ethik nicht, wenn sie nicht mit Ästhetik verbunden ist.

Entweder wir verändern die Verhältnisse, oder wir töten die Wahrnehmung in uns ab.

Wir wollen frei entscheiden und nicht Marionetten eines sog. Guten sein.

Wir müssen Psychomechanismen der Sensibilisierung entwickeln, die nur in einer Zusammenschau gründen können. Erst wenn wir erkennen, wie die negativen Faktoren verbunden sind, können wir uns sensibilisieren. Ekel ist da ein mächtiger Motor – stärker als die nur abstrakte Einsicht in die eigene Verkommenheit, denn eine solche Einsicht beschädigt unseren primären Narzissmus und dagegen wehren wir uns. Deshalb sind wir scheinbar so gleichgültig. Ekel jedoch ist ein Korrektor, der den eigenen Narzissmus nicht vermindert, da wir das ausloöende Agens ausserhalb unser selbst erleben. Die Verfütterung von Tierkadavern an Rinder ist ekelhaft. Irgendwann werden wir sie nicht mehr essen wollen und irgendwann werden wir auch nicht mehr unseren Fuss in ein total verdrecktes Meer setzen wollen. Irgendwann, so steht zu hoffen, wird uns ein Grauen packen angesichts dieses gigantischen Müll-Gebildes unter uns, unter der Wasseroberfläche.

Die neuen Psychomechanismen funktionieren nur aus völliger Freiheit heraus.

Wir müssen eine Methode finden, den Menschen aufzurütteln und zu verstören, ohne dabei seinen prinmären Narzissmus zu verletzen.

Es sieht so aus, als würde der Mensch, wenn er nicht unter einer Bedrängnis steht, eher zum Guten, zur Güte, zur Anteilnahme neigen – ja selbst auch Tiere, wie das Kindchenschema zeigt. Wir haben uns überfordert – vielleicht auch ethisch-moralisch.

Niemand kam je auf die Idee, dass Menschenfleisch für den Menschen toxisch sein könnte und wir werden das – ausser mit einem sadistischen Experiment – auch niemals beweisen können.

Es gibt keine einzelgängerische Affen. Bewusstsein führt zu Zusammenschluss. Je mehr Bewusstsein, je mehr Zusammenschluss.

Fleisch ist eine informative Verdichtung der Komplexität von Chlorophyll.

Das Kannibalismus-Tabu dient dem sozialen Frieden. Tabus haben eine Schutzfunktion. Fleisch verletzt das Vielfalts-Gesetz, ist dabei aber höchst komplex. Was ist das überhaupt, Komplexität? Es scheint eine Komplexität in der Vielfalt zu geben und eine in der Einfalt (3. Reich) – Borniertheit. Fleisch ist eine bornierte Komplexität, da wir uns an der eigenen Komplexität nicht hochziehen können, d.h. zu höherer Komplexitaet weiterentwickeln. Warum haben Löwen und Tiger uns noch nicht überholt? Es gibt kein Gegenexperiment gegen die carnivore Struktur von Homo Sapiens – woher wissen wir, dass Veganismus nicht zu den gleichen Ergebnissen im Gehirn des Menschen geführt haette, nur vielleicht langsamer. Das Schnelle aber verspielen wir zur Zeit. IDIOTISCHE Bilanz carnivorer Gehirne. Hat die Evolution einen Sinn-Vektor?

Wir müssen uns eine vielfältige Komplexität wie einen raffinierten Salat denken. Das ist komplexe Neuinformation.

Im Inzest-Tabu ist nicht die inzestuöse Leidenschaft tabuiert, sondern die Gleichgültigkeit gegenüber den potentiell negativen Folgen dieser Leidenschaft, nämlich Störung der sozialen Gruppe und Missbildungsgefahr.

Die Biologie kommt der Ethik entgegen – et vice versa. Nach Nietzsche irrt die Natur – aber offenbar doch nicht. Ins Offene denken.

Ähnlichkeits-Verdikt und Idenditäts-Verdikt.

Laut Sloterdijk ist Humanismus Menschenzähmung. Deshalb wollte Heidegger den Humanismus überwinden – hin auf eine andere, sog. posthumanistische Zähmungs– bzw. Züchtungs-Methode. Posthumanistisch heisst nicht inhuman, sonders anders human.

Es geht um plugged und unplugged. Wir wollen weder ethische noch unethische Zombies. Nahrung ist die langsamste und freieste Manipulation des ethischen Selbst. Die Freiheit der JAIN.

Die frühen Menschen haben sicher nicht Sex gemacht um die Gattung zu sichern. Sie taten es aus Lust.

Weiterentwicklung zu höherer Komplexität kann nicht nur das operative Denken meinen, sondern muss auch die geistige Höherentwicklung meinen. Levinas.

Erst durch die Genetik wird das Inzest-Tabu zu einem biologischen Ähnlichkeits-Verdikt.

Am Rande des Abgrundes enthüllt sich der heitere Sinn der Technologie – Versuch der Begründbarkeit einer Neurophysiologie der Ethik

Über Anthropotechnik.

Sehr geehrter Prof. Sloterdijk,

man kann Ihre Regeln für den Menschpark, wie auch Ihr neues Werk Du musst Dein Leben ändern – ueber Anthropotechniken so oft lesen wie man will, nirgendwo wird klar, was Sie mit Anthropotechnik wirklich meinen.

Wussten Sie, dass Aldous Huxley auf dem Totenbett seinen Freund Timothey Leary bat, ihm einen letzten Joint zu drehen? Beider Asche wurde mit einer Rakete in den Weltraum geschossen. Ich habe von dem Zeugs geraucht. Coole Typen, was? Wie auch die Bishnoi. Die haben eine Web-Site, auf der steht: BISHNOI – Religion with a Difference. Bishnoi ist Hindi und heisst 29. Eine Religion, die eine Zahl als Namen trägt. Die 29 Regeln zum Überleben am Rande der Wüste. Ich nenne die Lehre der Bishnoi eine Evidenzbasierte Religion. Ich weiss, Sie mögen keine Religionen weil sie meinen, dass seit Gott tot erklärt ist, es keine Religionen mehr geben könne. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Erst seitdem Gott tot ist, machen Religionen wieder einen Sinn: Opium für das Volk. Na und – haben sie etwa was gegen Opium? Gegen gutes Opium? Haben Sie etwas gegen die Bishnoi?

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Kommentare

  • Theo Petzold  On 19. Mai 2013 at 1:16 pm

    Lieber Jörg,
    herzlichen Glückwunsch zu dem sehr pikanten „Essay“ zu Sloterdijk’s dicker Publikation „Du musst …“. Trotz eindringlicher Empfehlung durch einen Arzt-Kollegen, der aus der „Askese“ und dem „Üben“ gleich eine neue Variante einer „Leberkunsttherapie“ machen wollte habe ich es nicht übers Herz gebracht, mir das Buch zu besorgen. Ich hatte das klare Gefühl, dass das Buch nicht für mich geschrieben ist. Deine Ausführungen dazu haben mich darin nun bestärkt – vielen Dank. Deine selbstironische Art und Weise, narzisstisch zu schreiben, ist für mich sehr erfrischend im Unterschied zu den Ausführungen von Herrn Sloterdijk, der sich mit seinen narzisstischen Gedankengebilden noch sehr zu identifizieren scheint.
    Sloterdijk hat einmal einen schönen Satz geschrieben, der mir als Haltung zum Schreiben damals gut gefiel: „Bücher schreiben ist wie dicke Briefe an Freunde schreiben.“ Ich möchte von einem Freund keinen Brief mit der Überschrift bekommen: „Du musst dein Leben ändern.“ Ich fühle mich als Demokrat und Freidenker in freier Kommunikation mit Freunden und anderen Menschen auf Augenhöhe. Offenbar hat Herr Sloterdijk nur Freunde, die eine Autorität suchen und wo möglich hörig sind – aber nicht gerne selber und frei denken oder es (noch) nicht können. So bin ich froh, dass ich mich auf Sloterdijk’s Gedankengebilde nicht weiter eingelassen habe.
    Jetzt erfahre ich durch dein Essay, dass es Herrn Sloterdijk in seinem Buch um eine „Vertikalspannung“ geht. Das finde ich in diesem Zusammenhang sehr interessant. Offenbar geht es ihm dann ja darum, dass die Menschen, die heute überall in geistigem Aufbruch sind und mit einem suchenden Blick ‚nach oben‘ eine vertikale Orientierung suchen, dann dort den Herrn Sloterdijk finden sollen, der ihnen sagt, was sie tun („üben“) und lassen („Askese“) müssen. Damit steht er in typisch deutscher Tradition, von der ich dachte, dass wir heute darüber hinaus schauen können. Der Verkaufserfolg seiner Bücher belehrt mich eines anderen. Mir fällt dein Spruch ein: „Falsch denken tut nicht weh.“ Manchmal kommt der gemeine Wunsch, dass es doch so sein sollte – oder? Du erwähnst auch die biblische Anweisung: „Macht Euch die Erde untertan!“ Aus deutscher historischer Erfahrung denken wir dann schnell an Unterdrückung und Ausbeutung. Man könnte es aber auch so verstehen, dass wir uns für die Erde und alle Lebewesen auf ihr verantwortlich fühlen sollen, wie ein weiser Regent – das würde auch besser zu dem von dir erwähnten Bild des Paradises passen.
    Schön, dass du die alte Tradition und Weisheit des Jainismus erwähnst – bei aller Strenge der Regeln haben sie sich wohl kaum verleiten lassen, anderen zu sagen, was sie tun und lassen müssen – oder? Jedenfalls nicht Buddha. Um in eine ebenso einsichtige wie kreative Vertikalspannung zu kommen, ist m.E. eine dienende Haltung besonders hilfreich – dienen nicht im Sinne von Befehle ausführen, sondern im Sinne von freiwilligem Dienst für eine größere, sinnvolle Angelegenheit – und jedem Menschen diese Freiheit zuzubilligen. Für Menschen mit ausgeprägteren mentalen oder sogar geistigen Fähigkeiten – zu denen ich Herr Sloterdijk gerne zählen möchte – bedeutet dann Askese ganz vornan, auf besserwisserische normative Machtgelüste zu verzichten, eben bei aller vermeintlichen Erkenntnis darauf zu verzichten, anderen zu sagen, was sie tun und lassen müssen. Eine solche Askese erhöht die Vertikalspannung wirklich.
    Deine Brücke zur Alzheimer-Krankheit kommt in diesem Zusammenhang für mich etwas konstruiert – mehr an dem Begriff der „Anthropotechnik“ geknüpft, der m.E. wirklich im Bereich der Technik bleiben sollte, weil wir ansonsten die Bedeutung der Begriffe sehr verschwimmen lassen und auf diesem Umweg womöglich über sinnvolle Verzichte und Übungen bzw. Ernährung gentechnische Manipulationen hoffähig machen. Das kann aber nicht unser Anliegen sein – oder? Hingegen finde ich den Begriff der „Vertikalspannung“ hilfreich. Aber Technik ist horizontal, fixiert aktuelle Zustände in der Materie und verhindert so eine wirkliche Entwicklung einer Vertikalspannung, wenn sie auf das Leben angewandt wird.
    Nichtsdestotrotz finde ich deine Ausführungen und Erklärungen über die Zusammenhänge des Auftretens des Morbus Alzheimer sehr plausibel. Kennst du die sog. „China-Study“? In der Untersuchung gab es größere Kollektive von traditionell sich vegan ernährenden Menschen. Allerdings weiß ich nicht mehr, ob in der Untersuchung auch nach Alzheimer geforscht wurde oder nur nach Karzinomen.
    Der Versuch, eine „Neurophysiologie der Ethik“ zu begründen hat mich an Rudolf Virchow erinnert, der 1864(?) in einer Antrittsvorlesung die These vertreten hat, Ethik würde in Zukunft naturwissenschaftlich begründet – man bräuchte eine eigenständige Ethik nicht mehr. Eine derartige Ansicht hat später dem (Sozial-)Darwinismus, auch wie er von den Nazis verstanden wurde, Vorschub geleistet. Deshalb und noch mehr, um die Vertikalspannung zu erhöhen, vertrete ich die Meinung, dass Ethik eine eigene Daseinsberechtigung hat, keiner Ableitung bedarf, sondern selbst ein Abbild eines komplexen (und damit imaginären) Attraktors ist, der die Menschen weltweit zu einer höheren Vertikalspannung veranlasst (s.u. und vgl. die Ausführungen in ‚Resonanzebenen – die Evolution der Selbstorganisation‘, ‚Praxisbuch Salutogenese‘).
    Besonders gefallen hat mir dann noch dein Hinweis auf Erwin Schrödinger, der als Physiker die Entwicklung des Lebens und die Evolution von mehr Komplexität durch ein Zusammenkommen von komplexen Informationen erklärt. Für die frühe Entstehung des Lebens / der ‚Negentropie‘ auf der Erde hat er die Kohärenz / Ordnung des Sonnenlichtes verantwortlich gemacht. Für die kulturelle Evolution dient meines Erachtens die (non-/para-)verbale / künstlerische Kommunikation verstanden als Austausch von komplexen Informationen entsprechend als Methode zur Entwicklung. Die von dir genannte überwiegend vegane Ernährung ist in meinen Augen nicht der Motor oder der Weg wohl aber eine erforderliche Bedingung für die weitere kulturelle Evolution der Menschen. Deine These, dass Fleischverzehr die Blut-Hirn-Schranke aufweicht und damit eine „Selbst-Verdauung“ ermöglicht, ist sehr spannend.
    Sehr interessant finde ich auch dein „Ähnlichkeits-Verdikt“. In der Homöopathie wird es als ‚feinstoffliche‘ Potenzierung zur Heilung eingesetzt – im grobstofflichen der Ernährung hat es mehr eine Giftwirkung – das sollte man als sehr wichtige Hypothese für weitere Überlegungen im Kopf behalten. „Ähnlichkeit“ spielt auch in der Chaosforschung eine Rolle bei den selbstähnlichen ‚Fraktalen‘ eines großen Ganzen. Die Fraktale entwickeln sich in Resonanz zum Attraktor des großen Ganzen (‚Übersystems‘). Diese Orientierung am Attraktor des großen Ganzen entspricht einer ‚Vertikalspannung‘.
    Übrigens meine ich, dass es schon in der Tierwelt (z.B. bei Schafherden usw.) durchaus Ansätze gibt, die Inzucht zu verhindern, dass das also nicht erst eine sozial-moralische Erfindung des Menschen ist, sondern biologisch. Bei Primaten ist bekannt, dass sich Weibchen auch gerne von Affenmännchen aus anderen Familien befruchten lassen…
    Schließlich beflügelt mich dein „Ähnlichkeits-Verdikt“ zu einer Analogie auf psycho-mentaler Ebene: In narzisstischen Gedankengebilden drehen sich die Gedanken immer um sich selbst und seine eigenen Empfindungen – es kommt nicht mehr zu einem wirklichen Austausch von komplexen Informationen mit anderen Menschen / Wesenheiten, sondern nur noch zum Zulassen von selbstbestätigenden Gedanken, die den eigenen ganz ähnlich / ‚verwandt‘ sind. So kann dort keine wirkliche Horizontal- und Vertikalspannung entstehen und keine Evolution mehr stattfinden. Ob es da auch zu einer Destruktion kommt? Womöglich gar zu einer Förderung von Alzheimer-Krankheit, weil sich die Gedanken nur noch um sich selbst drehen und nicht mehr in Resonanz mit anderen Menschen und einer Vertikalspannung schwingen? Die von dir angeführte „Nonnen-Studie“ könnte dafür sprechen, denn die Nonnen pflegen sowohl die gemeinschaftliche zwischenmenschliche und kulturelle Kommunikation / Resonanz als auch eine vertikale, die sie „Gottesbeziehung“ nennen. Sie haben eine zutiefst dienende Haltung. So besteht vielleicht doch ein tieferer Wesens-Zusammenhang zwischen Sloterdijk’s Gedankengebilden und der Zunahme von Alzheimer-Erkrankung als ich zunächst sehen wollte. So gibt es auf einer tief impliziten Ebene womöglich doch gute Gründe dafür, dass du diese beiden Themen in deinem Essay zusammengebracht hast.
    Vielen Dank! Viel Freude bei der kreativen Weiterarbeit und herzliche Grüße
    Theo Petzold

  • RAM51  On 15. Juli 2013 at 9:47 am

    Der menschliche Geist und seine verbogenen Winkel

    Sehr geehrter Herr Dr. Janzer…

    Vielen Dank für den durchaus illustren Beitrag und
    das Kapitel einer neuen Narretei in der Gespenster-Welt
    des sich selbst bezeichenden.

    Die aposteriori implicite Glorifizierung eines Auflage-starken
    Encycloppaeden mit den stilistischen Mitteln
    des Feuelletons wird letztlich genau dahin führen wo der
    Vor-sokratische Enzyklopaede bereits ist…

    Die gehobene Form der Ironie die sich hier offenbart
    ist vermutlich einer unterbewussten Inszenierung zu
    verdanken.
    Die spekulativen Ozeane des sog. Unterbewusstseins sind Legende.
    Der Winkel-Advokatismus neuer Sprachverrenkungen wird da
    auch nicht weiterhelfen.

    Die Sloterdijk community bewegt sich
    letztlich auf dem gleichen europaeischen Nachkriegs-Niveau wie
    der Spiritus impetus des erwähnten Initiators…

    Dieser Gentleman kann letztlich publizieren was er will…

    Hätte er seine Haus-Aufgaben gemacht müsste er nicht sein
    bescheidenes publico mit Mittel-mässigkeiten auf intellectueller
    Sparflamme halten…

    Der Essayist,der Enzyklopaedist und der Feulletonist…Triaden
    eines intellectuellen Zerfalls,des Stils und der Manieren…

    Die Erwäehnung des grossen Indologen Glasenapp verdient Beachtung.

    Wohin einer geht und wie weit einer gehen sollte, darf man nicht den
    Handbüchern etablierter Winkel-Intelektuellen überlassen…diese Angelegenheit
    sollte man selbst in die Hand nehmen bzw. den Füsssen überlassen.

    Es grüsst
    RAM51 von Saxonian Folkways Universalis

    P.S. Der Verfasser erlaubt sich hier noch 2 praktische Hinweise anzumerken

    http://gesamtausgabe.wordpress.com/2012/06/23/listado-de-obras-de-la-gesamtausgabe/

    • janzerblog  On 17. Juli 2013 at 5:27 pm

      Hi George,danke für Deinen Kommentar. So gehen wir weiter und weiter – oder kehren um und versuchen eine andere Richtung.

      See you
      Jörg

  • xiane  On 13. Mai 2014 at 8:38 pm

    Rueckblicke… tibet… freiburg…unimensa…fasnet…ein nachdenklicher, gerade zurueckgekehrter student…eine alberne, kostuemierte gans. C.g.jung: bewusstes und unbewusstes – ganz viele unterstreichungen und anmerkungen… gengenbach… wiederbegegnung… „ich geh dann mal…“. Ende…anregung zum nachdenken ueber fast 5 jahrzehnte… und auf einmal: janzerblog.
    Ufffffffff!

    • janzerblog  On 11. September 2014 at 7:30 pm

      xiane, wer bist Du?
      Schreibe mir eine Mail: dr.joerg.janzer@gmx.de Ich will nicht viele Worte machen – ich brauche mindestens Dein Gedächtnis für meine Biografie. Jörg 🙂

  • hans meiners  On 31. Januar 2015 at 5:49 pm

    Das Kamisol
    Ach feines Mädchen,
    wie liebe ich dich.
    So flink geb‘n die Hände
    von dir übern Tisch
    den Matjes, so lecker,
    die Wurst, frisch gekämmt,
    den Käse gewaschen,
    geputzt, pedikürt,
    ich hab kaum noch Worte,
    mein Mund der verliert
    sich in sinnlosem Stammeln
    voll Schwarzwälder Speck.
    Ich tät dich gern nehmen,
    doch wärst du dann weg
    von all dem elysischen Catering.

    Drum: the poet’s eye,
    in a fine frenzy rolling.

    Jetzt ist es heraus,
    ein Hölderlin, Sophokles, Shakespeare,
    welch Graus,
    sie waren und sind ein Verdauungsgebraus;
    sublimes Bedürfnis nach liebender Hand,
    die trocknet und kämmt,
    und beschneidet den Rand.
    Du heller Himmel über mir,
    Dir will ich mich vertraun:
    Laß nicht von Lust und Leiden hier
    den Aufblick mir verbauen !

    Du, der sich über alles dehnt,
    Durch Weiten und durch Winde,
    Zeig mir den Weg, so heiß ersehnt,
    Wo ich Dich wiederfinde.

    Von Lust will ich ein Endchen kaum
    Und will kein Leiden fliehen,
    Ich will nur eins: nur Raum – nur Raum,
    Um unter Dir zu knieen.
    Aber unerringbar das Schöne
    allem heftigen Willen;
    kann das Meer ich austrinken,
    meinen Durst zu stillen ?

    Ich kann ! Und ich werde !
    Und ich muß dir gestehn:
    schon morgen will ich dich wiedersehn.
    Im Hare Rama der Warteschlange
    bin ich zuhaus;
    ich halte gern lange
    in Vorfreude aus.
    Auf deine gebende Hand,
    du festliche Maid;
    auf blankem Buffett
    steh’n deine Häppchen bereit –
    mit edlem Belag
    und mancherlei Schmand.
    Und einmal hob mich ins Märchenland
    schon das sanfte klappern einer emsigen Schere,
    der ich mich hingab in verzücktem Traum;
    kein Schelm frage mich, ob ein Wurstrand ich wäre:
    dem würd‘ ich glatt auf die Nase wohl hau’n.
    Obwohl ich weiß, daß er’s schon richtig verständ,
    wenn ein Haar, energisch von scharfer Schere getrennt,
    in hohem Bogen und vom Winde getragen,
    sich manchmal…, the answer my friend,
    wer wird da schon fragen,
    sich manchmal zu keck in das Mieder verirrt,
    die zarte Haut dort auf das ärgste verwirrt,
    und die sich verwehren muß gegen solcherart Leid;

    oh hohe Zeit !
    Ach, welch ein Tag !

    Oh ! Bin ich an der Reihe ? Hab‘ ganz kurz nur geträumt…
    von den Braten und Soßen, Geselchtem, Glukosen,
    dem Eiweiß, dem Fett, dem Cholesterol,
    und, ich geb‘ auch gern zu, mir ist eigentlich nicht wohl
    bei dem Gedanken, daß dieses schmackhafte Zeug
    aus den Miasmen des Todes, aus Blut, Angst und Därmen,
    für mich gleich das Herz meiner Liebsten soll wärmen.

    Ach, weg die Bedenken !
    Geschnitten, gezupft, geraffelt, gerupft,
    gestiftet: vepuffen soll all die Bedenklichkeit.
    Wer fühlt denn mit mir ?
    Die Liebe verlangt dieses Opfer nun ‚mal !
    Agape vor Eros ? Dies Abendmahl wäre das letzte wohl…
    Gleich bin ich ein Raubtier,
    am Cordon bleu und am Camisole.

    Tja, lieber Herr Dr. Janzer, wer in diesen Kulturkampf nicht mit vollstem „Selbstbewußtsein“ hineingeht, wird immer wieder ‚mal abstürzen…

  • Protein 90  On 14. März 2017 at 7:20 am

    This blog was… how do you say it? Relevant!!

    Finally I’ve found something that helped me. Thank you!

    • xiane  On 15. März 2017 at 3:13 pm

      I join you… but …da ich nicht der zunft der neurologen, philosophen u,v.a.m. angehöre, sondern ein nur nachdenkender, „autodidaktisch-kreativer“ mensch bin, fische ich mir aus diesem so reichen/anreichernderen, inspirierenden beitrag von j.j. das heraus, was mich zum weiterdenken anregt…und ich habe einige wenige (unter vielen) freunden den link geschickt, um die diskussion darüber anzuregen. vermutlich ein naives unterfangen… waut and see.
      als „zunftfremde“ habe ich mich nie mit sloterdijk befasst, war eher stolz seinen namen zu kennen. a b e r auch meine zunftnäheren freunde, die ich darauf ansprach, kennen „nur“ seinen namen.. und letztlich hat mich j.j. ’s erwiderung viel mehr inspsiriert als animiert, mich mit sloterdijk zu befassen…
      last but not least bin ich mit einem mir sehr nahestehenden (parkinson-) menschen verbandelt, der seit einigen jahren durch die mühlen der neurologie (und darunter einiger karrierehöriger vertreter) gemahlen wird …und auch wenn es mir (noch) nicht gelingt, die ganze tragweite des beitrags zu durchleuchten, so hat er mir doch viel auftrieb gegeben…
      danke, j.j.!

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